Dominikanische Republik

Was bitte schön ist hier normal?

Habe gut geschlafen, was ja auch kein Wunder ist nach einer sechs tägigen Überfahrt. Als ich heute ins Cockpit kam, viel mir als erstes auf, wie nass alles im Cockpit ist. Eine wahnsinnig hohe Luftfeuchtigkeit muss in der Nacht geherrscht haben. Kann mich mit meinem Kaffee in der Hand nirgends wo hinsetzten. Die Sonne scheint noch etwas zu warten bevor sie hinter dem Horizont heraus guckt. Die Feuchtigkeit im Cockpit wird also noch eine Weile anhalten. Komisch, mit einer solch hohen Luftfeuchtigkeit hatten wir seit der Überfahrt von Gibraltar in die Kanaren nie mehr zu tun. Auf jeden Fall nicht in diesem Ausmass. Also stehen wir mittlerweile zu zweit im Cockpit und staunen. Auch Tom ist aus dem Bett gekrochen und steht etwas verdattert, auch mit Kaffeetasse in der Hand neben mir. Zum staunen gibt aber nicht nur das nasse Cockpit, nein viel mehr realisieren wir nun wo wir stehen. Kaum zu glauben, ich denke jeder Sportfischer der ein Boot über 10 Meter Länge und minimum einem drei stöckigen Ausguck besitzt steht hier. Die Boote machen ein gegenseitiges Wettglänzen. Die weissen GfK Rümpfe spiegeln sich gegenseitig in den Schatten. Und die hohen Chromstahl Gestelle welche als Hochsitze gelten übertrumpfen in der Höhe. Was mir gestern schon aufgefallen ist, die Schiffe sind und werden geputzt. Immer und immer wieder. Auf jedem Schiff tummeln bestimmt zwei bis drei „Locals“ die am putzen sind. Am reinigen und polieren der Schale, des Deck’s und dem vielen Chromstahl, welcher in Massen auf den Fischerbooten vorkommt. Süsswasser fliesst von jedem Schiff in grossen Mengen. Damit und zwar mit dem dicken Schlauch wird auf den Schiffen herumgespritzt. Wenn man mich fragt sehr planlos. Aber Beschäftigung ist es auf jeden Fall.
Immer noch, mit den Kaffeetassen in der Hand, stehend im Cockpit und staunend über das um uns herum, beginnen auch schon die ersten Musikboxen Sound zu spielen.

Meine Nachbarn…
…mit den Golfkarren bis zum Schiff…

In den Rhythmen Techno oder Techno/Salsa mix. Jedoch Techno ist absolut gefragt unter den Sportfischern. 9.00 Uhr in der Früh und ein Treiben der sportlichen Sorte um uns herum. Die ersten grossen Fischerboote legen ab. Im Mix mit Motorensound und lauter Musik geht die Fahrt hinaus aus der Marina um nach den grossen Fischen zu suchen. Merlin, grosse Thunfische und der gleichen, natürlich möglichst kapitale Fänge sollen es sein. 
Die Eigner, sprich Kapitäne sind vorwiegend weisse reiche Herren…oder dessen Söhne. Weiss, zwar nicht wirklich da sie eher schön gebräunt daher kommen. Jedoch chic gekleidet kommen sie mir eher wie Golfer vor, statt Fischer. Wohlverstanden Hochsee Sportfischer!!! Vielleicht macht es aber auch nur den Anschein als seien sie Golfer. Denn alle fahren in Golfkarren auf dem gesamten Areal umher. Bis auf die Steganlagen, direkt vor ihre Schiffe fahren sie mit diesen Gefährten. Die faulen Sportfischer die! Glänzen von aussen und dabei bewegen sie sich keinen Meter freiwillig zu Fuss. Vor dem Supermarkt, parken die Golfkarren ähnlichen Gefährte unmittelbar direkt vor der Eingangstür. Im Supermarkt drin wird einem alles eingepackt und bis zu den Golfkarren getragen. Geld regiert de Welt!!!

…oder so!!!

Unser Cockpit trocknet nur langsam vor sich hin. Die um uns herrschende laute Musik und die gesamte Bewegung im Hafen ist enorm. Gross, grösser am grössten…laut lauter ich bin am lautesten so scheint das Motto hier in der Marina Chavon in Casa de Campo. Der Reichtum glänzt nicht nur von den Dächern, nein auch von den Schiffen. Woher auch immer die vielen reichen Leute die hier sind kommen. Auf jeden Fall sind es wirklich viele!
Der Kaffee mittlerweile ausgetrunken machen wir uns auf den Weg zur Capitaneria. Denn das Cockpit trocknet auch ohne das wir darin herumstehen. Und wir müssen nun abchecken was wir hier überhaupt bezahlen, sprich wie lange wir hier bleiben können/dürfen. Hatten sie gestern ja keinen Hafenplatz für uns.
Die wollen uns da nicht haben!!! Unsere Magellan macht sich nicht gut für das Bild im Hafen. Sie haben kein einziges Holzschiff in der Marina stehen. Da steht wirklich nur Plastik herum, so weit haben sie ja recht. Doch eine Augenweide wie unsere Magellan bekommen die nicht mehr so schnell zu Gesicht. So viel kann ich denen auf Garantie geben. Ich weiss nicht einmal ob ich enttäuscht oder happy sein soll über diese Nachricht. Doch eigentlich gefällt es mir hier wirklich nicht. Zu viel Kommerz für meinen Geschmack und von der Dominikanischer Republik weit entfernt. Ausser die Schiff Putzer, die vielen dutzenden von Securitas Leute und die Angestellten im Supermarkt. Die uns durch ihre Hautfarbe deutlich zeigen, wir sind nach wie vor noch in der Karibik. Also müssen wir neu planen und uns eine andere Marina suchen, was nicht unbedingt einfach ist hier in der Dom. Rep. Denn so viel haben wir schon herausgefunden, die Dominikanische Republik ist nicht gerade Segler freundlich. Es mangelt sehr an Liegeplätze für Segler und Ankern ist so gut wie nicht erlaubt. Doch für heute machen wir es uns nicht zum Thema die Marina zu verlassen. Wir können schon für drei vier Nächte hier liegen bleiben mit unserer Magellan. Für 60 US Doller die Nacht. Wir hätten ja einen weiten Weg hinter uns, von Martinique bis in die Dominikanische Republik sei keine normale Segler Strecke. So viel haben wir unterwegs ja auch mitbekommen. Denn kein einziger Segler ist uns in der ganzen Zeit begegnet. Also da stellt sich doch erneut die Frage, was bitte schön ist hier normal???
Ausgeruht bin ich noch auf keinen Fall, auch wenn ich super gut und tief geschlafen habe. Ich muss wirklich nun erst ein mal landen. Alles langsam angehen und die neue Mentalität kennen lernen. Der Familie von Pablo, Tom’s Vater einen Besuch abstatten und alles neue erst kennen lernen. Steht also einiges an in den nächsten Tagen. Und das bei Tagestemperaturen von guten 30 Grad! Kann man sich gar nicht vorstellen warum die Nächte so feucht werden. P.S. damit meine ich das Cockpit unseres Schiffes!!!