Azoren

Walfabrik und Walmuseum

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Die Azoren waren bis in die 80er Jahre ein wichtiger Walfang Ort und das ist überall noch gut ersichtlich. In den Dörfern mit Meeranstoss kann man dies überall noch gut an den Rampen erkennen die dazu dienten, um die getöteten Pottwale aus dem Meer zu ziehen. Auch die Trommelwinden an denen jeweils sechs Männer von Hand den Antrieb gaben stehen noch oberhalb der Rampen, an denen die tonnenschweren Tiere mit langen Seilen hochgezogen wurden. Die Pottwale, welche die zweitgrösste Walart der Welt sind wurden zu hunderten getötet. Nicht etwa um hungrige Mäuler zu stopfen, nein daraus wurde Oel und Mehl hergestellt. Das daraus gefertigte Mehl wurde zu Düngemittel für die Landwirtschaft und das Oel für die Industrie, Kosmetik, Medizin oder um Lebertran herzustellen benötigt. Die meiste Wahre wurde exportiert und spielte deshalb Wirtschaftlich eine wichtige Rolle.
Von den verschiedenen Inseln aus wurden die Wale von Spähern ausgemacht um dann die Walfänger zu informieren.  Mit Holzbooten von 20 Metern länge, welche mit Ruder und Segel ausgerüstet waren fuhren sie dann hinaus und das Gemetzel konnte beginnen. 

Jedes Fischerdorf   besass ihr eigenes Walfang Gebäude wo nach erfolgreichen Fangtagen feucht fröhlich gefeiert wurde…
…mit solchen Holzbooten wurden die Wale aufgegriffen und mit Speeren getötet.

Natürlich ist es ein muss wenn man auf den Azoren zu Besuch ist eine solche stillgelegte Walfangfabrik oder ein Walmuseum zu besichtigen. Wir haben beides gemacht. Doch entweder sind wir zu grosse „Memmen“ oder haben ganz einfach ein zu grosses Herz für Tiere, denn was wir dort gesehen haben geht über jeden menschlichen Verstand hinaus. Auf brutalste Art und Weise wurden diese friedfertigen Tiere getötet. Mit Lanzen so lange auf ihre Luftlöcher eingestochen bis sie an ihrem eigenen Blut erstickten. Da die Pottwale, ausser die ausgewachsenen Bullen immer in Gruppen unterwegs waren konnten jeweilen dutzende von Tieren auf einmal getötet und nach Hause gebracht werden. Für mich ist der Vergleich zur Grosswildjagd wie etwa das erlegen von Nashörnern oder Elefanten in Afrika gar nicht so abwegig. 

Danach mit solchen Motorbooten zu den Dörfern geschleppt wo sie dann verarbeitet wurden.

Die Bilder die wir egal ob in der Walfabrik oder im Walmuseum gesehen haben waren nichts für unsere Gemüter. Da sind wir beide froh ist das jagen von Walen verboten.  Und hier auf den Azoren, weil es zu Europa gehört wird das Gesetz auch eingehalten. Dafür wird heute der Tourismus mit Wal- und Delphinwatching überall angekurbelt. Auf allen Inseln stehen die Boote bereit, welche zwei mal am Tag beladen mit Passagieren hinaus aufs offene Meer fahren um einen Wal oder Delphine vor die Kamera zu bekommen. So wie früher werden die Wale von Spähern, welche von dem Festland aus das Meer beobachten gelotst. Kaum wird ein Pottwal gesichtet fahren etliche Schnellboote in die selbe Richtung, denn sie wurden via Handy oder Funk vom Späher informiert. Glücklicherweise werden die Azoren noch nicht überlaufen vom Touristenstrudel, denn in meinen Augen fahren schon zu viele Boote zu den gesichteten Walen. 

Der Pottwal trägt auch den Namen „Herr der Meere“ zudem er das grösste Gehirn in der gesamten Tierwelt hat. Die Männchen werden bis 20 Meter lang, die Weibchen immerhin stattliche 17 Meter. Ein neugeborenes Kalb misst auch schon 4 Meter länge und verbringt einen grossen Teil seines Lebens mit anderen Wal-Müttern und Jungtieren zusammen in Gruppen. Der Pottwal ist die grösste Zahnwalart und kann zusätzlich am tiefsten von allen Walen tauchen. Forscher gehen davon aus das sie bis 3000 Meter hinab tauchen um dort auf Riesenkalamare jagt zu machen. Das Sozialverhalten der Pottwale soll sehr aufrichtig und in Gruppen grossgeschrieben sein. Angeführt von einem grossen starken Männchen welches eine Gruppe Weibchen und Jungtiere führt bis es von einem stärkeren Bullen abgelöst wird bleiben diese also über Jahre sogar ein Leben lang zusammen. Solche durchschnittlichen Pottwal Gruppen zählen 13 bis 24 Tiere. Einzeln gesichtete Pottwale sind hingegen Bullen die auf der Suche nach einer neuen Gruppe unterwegs sind und sich als neuen Anführer einer Pottwal Gruppe behaupten möchten. 

Leider sind die Pottwale noch sehr wenig erforscht. Kennen und gesehen hat sie jedoch schon jeder, wenn auch nur aus dem bekannten Fernsehfilm MOBY DICK!