Azoren zum Festland Portugal

Sturmsegel wird gesetzt!

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Endlich ist die lange Flaute vorbei und die war wirklich lange. Drei ganze Tage mit Motor zu fahren war mühsam. Nun jedoch nehmen die Winde zu und wir erwarten starke Winde. So auf jeden Fall haben es die Prognosen vorhergesagt. Vor uns, bis wir das Festland von Portugal erreichen werden liegen glücklicherweise nur noch wenige Seemeilen. Was so viel heisst das wir je nach Tempo welches wir fahren können trotzdem noch einige Seemeilen (ca 170) vor uns haben. Windgeschwindigkeiten von bis zu 20 Knoten sind zu fahren wenn sie von achtern kommen also von hinten. Jetzt aber erwarten wir diese Windstärke von Nord was so viel bedeutet dass wir sie von querab wie auch die Welle und das gesamte Ausmass des Seeganges auf die Seite abbekommen werden. Dies ist nicht wirklich ein schöner Gedanke. Also entscheidet Tom der Käpten der Magellan dass wir unser grosses Vorsegel, also unsere Genua herunter nehmen und unsere Fock 3 am Vorstag aufziehen. Dies kleine Segel soll uns durch die Starkwindphase das Segeln einiges erleichtern. Natürlich können wir unsere Rollgenua einrollen so das sie nur noch als kleines Segel gefahren werden kann. Doch wird durch das einrollen des Vorsegels die gesamte Form und der eigentliche Schnitt des Segels verändert. Dadurch verändert sich auch das gesamte Verhalten der Fahrt durch das Wasser eines Schiffes. Zudem kommt das mit einem eingerollten Segel noch viel Gewicht bis ins Masttop führt, denn durch das einrollen haben wir ein „Wulst“ bis hinauf zum Masten. Ein Ziel jedes Seglers ist jedoch möglichst wenig Gewicht, sprich Zug im Mast zu haben. Also ist die normale Schlussfolgerung das grosse Vorsegel muss herunter damit das Kleine gesetzt werden kann. Leider so meint Tom haben wir keine Sturmfock, welche noch etwas kleiner geschnitten ist wie unsere Fock 3 und im Material auch noch etwas mehr Stärke aufweist. Doch mir scheint unsere Fock 3 schon reichlich klein. Dazu hoffe ich wirklich nicht das Schlimmste und bin guten Mutes mit dem kleinen Vorsegel. Das  herunternehmen und danach das aufziehen eines anderen Segels geht auf offener See nur wenn wir genau gegen den Wind fahren. Was so viel heisst das wir den gesamten Seegang also jede Welle von vorne genau auf den Bug abbekommen. Darum soll dieses Manöver relativ schnell und sicher ablaufen. Voraus geht natürlich ein weiteres mal das genaue besprechen dieses Manöver. So das beide von uns wissen was getan werden muss, denn das Besprechen während  dem arbeiten geht bei viel Wind und hohem Seegang nicht. Zudem jeder von uns immer einen sicheren Halt haben muss, da ein über Bord fallen nicht drin liegt. Wenn die Genua heruntergelassen wird ist es möglichst gut wenn wir sie im gleichen Augenblick gut in Falten legen damit das nachträgliche Einrollen zu einem möglichst kleinen Packet einigermassen gut geht. Auch soll das riesige Segel nicht ins Wasser kommen, denn dann wäre sie nass und ein nasses Segel im Schiff aufbewahren ist nicht von Vorteil. Müssen wir schon stetig aufpassen das wir nicht sonst schon viel Feuchtigkeit im innern der Magellan haben so ist ein nasses Segel im Schiff zu lagern zusätzlich ungünstig.
So arbeiten wir also zügig und fast wortlos zusammen auf dem Vorschiff während dem der Autopilot unser Schiff gegen Wind Welle und Seegang steuert. Das stetige Festhalten da sich die See nach drei Tagen Flaute schon wieder mächtig aufgebaut hat erschwert die Arbeit. Einwandfrei klappt der Wechsel der zwei verschiedenen Segel und unsere Genua kann trocken und gut eingefaltet und verschnürt im Saloon der Magellan verstaut werden. Nun sind wir also momentan mit 12 bis 14 Koten Wind unterwegs, in den Böen 17 Knoten und gut gerüstet und vorbereitet auf mehr Wind von querab.

Zudem kommt noch dass wir die Schifffahrtslinie welche die grossen Frachter und Tanker und was sonst noch so unterwegs ist queren müssen. Denn diese Linie geht von Nord nach Süd, wir fahren von West nach Ost. Diese Aufgabe wird die nächste Herausforderung. Diese riesigen Schiffe kommen daher wie super grosse, bullige Monster. Fahren teilweise bis zu 20 Knoten schnell und halten ihr Kurs auf ihrer Fahrstrecke eisern ein. Da nützt uns der Vortritt den wir als schwaches Segelschiff grundsätzlich hätten nicht viel. Zwei- bis dreispurig kommen sie von Nord und das selbe Bild gestaltet sich von Süd. So eine Schiffslinie zu überqueren ist eine wirklich mühsame Sache und verlangt einem höchste Konzentration ab. Da sind wir äusserst froh haben wir nicht nur einen sehr guten Radar sondern auch ein AIS System an Bord. Dazu kommt unser grosser Plotter der uns wirklich ein weitsichtiges Bild abliefert und stetig einer von uns beiden vor dem Bildschirm des Plotters sitzen lässt. Starke Winde und die Überquerung der Schifffahrtslinie so unsere Aussichten für den heutigen Tag, was will man mehr! Abenteuer vom feinsten würde ich dem sagen!!!
Glücklicherweise nehmen jedoch die Winde nicht so stark zu wie es uns die Vorhersagen prognostiziert haben. Dies macht mir jedoch nichts aus, denn das Überqueren und Kreuzen dutzender von grossen Schiffen hat uns den gesamten Tag in Anspruch genommen. Grosse und noch viel grössere Schiffe mussten wir passieren lassen um immer wieder eine Lücke zu finden um einige Meile weiter Richtung Ost zu segeln. Grundsätzlich mussten wir sechs Spuren überqueren bis wir gegen Abend das gröbste hinter uns hatten. Das genaue Peilen der Schiffe, damit wir immer wissen wie schnell die Dinger kommen und in welchem Abstand zum vorherigen Schiff ermüdet und zerrt ein weiteres mal an den Nerven. Jedoch haben wir, so finde ich dies gut gemeistert und ich bin wirklich froh diese Passage jetzt hinter uns zu haben. Die grossen Schiffe sind laut und stinken verursachen zusätzliche Wellen und verleihen mir enormen Eindruck. Mit einem Gefühl von, das haben wir gut gemacht segeln wir in die Nacht hinein welche neblig, kühl und sehr unangenehm ist. Die Wassertemperaturen sind stark gesunken und messen gerade mal noch 15,8 Grad. Um uns herum ist so viel Nebel das der Vollmond nicht mehr wirklich sichtbar ist. Ein weiteres mal sind wir froh einen neuen Kompressionspuls Radar zu besitzen, den das Ausschauhalten wegen Fischerbooten ist mit dem Auge nicht mehr zu machen. Da sind wir angewiesen alle 15 Minuten via Radar die Umgebung zu erfassen und auf dem Plotter die Bilder der Umgebung zu begutachten. Da wir mittlerweile schon relativ nahe am Festland sind ist die Wahrscheinlichkeit das sich kleine Fischerboote in unserer Umgebung aufhalten gross. Eine Kollision, auch mit einem kleinen Boot hätte fatale folgen, also ist ein stetiger Check unabdingbar. Obschon ich mir bei solch einer feuchten, nebligen Nacht nicht vorstellen kann das sich Fischer auf das Meer hinaus bewegen. Zu grauselig und unübersichtlich scheint mir die Wettersituation. So bin ich froh als mich Tom morgens um 2.30 Uhr ablöst und ich in mein Bett komme. Habe schlaf dringend nötig und weiss und bin guten Mutes das wenn ich aufwache werden wir bestimmt schon fast die Hafeneinfahrt von Lagos in Portugal erreicht haben.  

In den Morgenstunden erscheint die Küste von Portugal in einem wunderbaren Licht.