zurück in Spanien

Strasse von Gibraltar, eine Nacht und Nebel Aktion!

Rota zu verlassen war für mich nicht sehr schwer. Zu wissen das nun bald das Mittelmeer kommt und somit mein Atlantik-Traum zu Ende geht ist eher beruhigend. Die vielen Erlebnisse der letzten 17 Monate werde ich fest bei mir haben. Doch nun ist es soweit, wir melden uns in der Marina in Rota ab was erstaunlicherweise sehr schnell geht. Kaum sind wir im sicheren Abstand des Hafens werden auch gleich die Segel gesetzt. Grosstuch und Genua stehen bei 13 Knoten Wind wunderbar. Auch der Seegang ist so angenehm wie selten hier draussen auf dem Atlantik. Unsere Fahrt geht entlang der spanischen Küste und unsere Devise ist nicht zu weit hinaus auf’s offene Meer. Denn der gesamten Schwerschifffahrt möchten wir mit sicherem Abstand fern bleiben. Dazu kommt der Flüchtlingsstrom welcher zur Zeit von Marokko nach Spanien unterwegs ist auch auf keinen Fall begegnen. So also erscheint es uns um so wichtiger stets nahe an der spanischen Küste zu fahren um gegenüber unfreiwilligen Begegnungen gewappnet zu sein. Waren wir in der letzten Zeit zu oft nur auf uns selber gestellt, daher das sichere Ufer in der Nähe zu haben erscheint uns sinnvoll. Zudem kommen die dutzenden von Fischerbooten mit ihren Schleppnetzen, auch auf diese müssen wir Acht geben denn die sind die ganze Nacht am arbeiten und halten öfters als uns lieb ist stur ihren Kurs. Schon vor dem eindunkeln spüren wir die hohe Luftfeuchtigkeit um uns herum und wissen daher schon früh das wir diese Nacht sehr wahrscheinlich mit schlechter Sicht zu rechnen haben. Beim eindunkeln verabschiedet sich dann zusätzlich der letzte Hauch Wind und wir sind gezwungen unseren Motor zu starten. Kein Mond, was so viel bedeutet das die Nacht uns in einer schwarzen Umgebung verweilen lässt. Die Fischerboote welche nur zu oft kaum mit Licht und zudem keinen Positionslampen unterwegs sind machen aus unserer Fahrt schon fast ein traumatisches Erlebnis. Denn wir können sie nur via Radar ausmachen da sie nämlich auch nicht über ein AIS System verfügen. Also wird aus der Fahrt durch den Nebel der tatsächlich gekommen ist eine echte Geisterfahrt mit stetig wechselndem Blick zwischen dem Plotter der via Radar läuft und Ausschau halten in die schwarze feuchte Nacht hinaus. Das gesamte Cockpit ist ein weiteres mal mit Nässe überzogen. Die Sprayhood haben wir, das erste mal bei einer Nachtfahrt nicht aufgespannt, damit wir klarer Ausschau halten können. Im Stundentakt wechseln wir uns ab, denn es ermüdet sehr mit dem Fernglas die gesamte Situation um uns herum im Auge zu behalten. Nicht nur einmal müssen wir den Kurs ändern um einer Kollision mit einem Fischerboot aus dem Wege zu gehen.
Dann endlich kommt der Eingang es Kanals von Gibraltar. Die See ist schon fast abartig ruhig als wir am Leuchtturm von Tarifa, die südlichste Spitze von Spanien vorbeiziehen. Die Lichter der Stadt nur schwer auszumachen, zu dick liegt der Nebel in der Wasserstrasse. Da ist die Sicht auf die Marokkanische Seite bedeutend besser. Ein grosser Frachter jagt den nächsten durch die neblige schwarze Nacht. Direkt neben uns fahren sie in den Atlantik hinaus doch ausser den Lichtern sind sie fast nicht auszumachen. Doch es scheint mir als würden einige Frachter und Tanker mehr auf der Gegenfahrbahn, also in Richtung Mittelmeer unterwegs sein. Egal wie viele in welche Richtung unterwegs sind, ich muss mich auf unsere Fahrt konzentrieren und bin froh als ich einige Seemeilen hinter uns einen anderen Segler auf dem Plotter ausmachen kann. Da fühle ich mich gleich nicht mehr so alleine. Der Nebel, die schwarze Nacht die sehr unangenehm und feucht ist machen mir jedoch durchaus weniger Sorge als das Wissen der Flüchtlinge. Und so haben Tom und ich es bemerkt ist diese Nacht die genau Richtige um in ein Gummiboot zu steigen und die Meerenge zu passieren. Kein Wind der einem irgend wo hin versetzt, kein Mond der ein Gummiboot hell erscheinen lässt und die See ist spiegelglatt ohne jede Welle. Die Strömung welche zwar wegen des Leermondes heftig stark mit bis zu 2,5 Knoten in Richtung Mittelmeer zieht kommt uns sehr entgegen, jedoch auch jedem Flüchtlingsboot. Wo ich dann in den Morgenstunden, wir waren gerade mal eine Stunde entfernt von Tarifa ein lautes Hupen gehört habe war der Fall für mich klar. Ein Frachter muss ein Flüchtlingsboot auf Kurs gesichtet haben. Warum sonst beginnt ein so grosses Schiff, was sich auf seinem Kurs in der Schifffahrtsstrasse befindet an zu hupen. Über Sekunden dauerte der Lärm seines Horns und gleich darauf ein zweites mal. Wegen der Dunkelheit und des starken Nebels ist für mich nicht auszumachen von welchem Schiff die Warnsignale abgegeben worden sind.

 

Ein Frachter kommt aus dem Nebel zum Vorschein

Doch eines ist klar, meine Anstrengungen die gesamte Situation um mich herum noch ein bisschen besser zu überschauen ist gegeben. Das Hupen des Schiffes hat einen gewaltigen zusätzlichen Adrenalin Schub durch meinen ganzen Körper ausgelöst. Der Motor unserer Magellan rattert sauber vor sich hin ansonsten höre ich nur das Dröhnen der grossen Tanker und Frachter die im Minuten Abstand an uns vorbei ziehen als es am Himmel endlich wieder etwas hell wird. Ich kann es kaum abwarten, denn die Nacht war lange, feucht und sehr anstrengend. Die Strömung, die uns sehr verhilft drückt nach wie vor Richtung Mittelmeer in dem wir uns nun doch seit einigen Stunden darin befinden. Hinter uns liegt der Atlantik und viele abenteuerliche Geschichten mit ihm.
7.25 Uhr und endlich geht die Sonne auf. Wir haben es ohne irgend welche Zwischenfälle tatsächlich geschafft. Sind schon fast zu Hause denn die Rückkehr in das Mittelmeer scheint uns nach den langen Distanzen im Atlantik klein und fein. Obwohl unzählige Tankschiffe und Frachter mitten in unserem Weg herum stehen, die warten auf Erlaubnis in den Hafen von Gibraltar zu fahren, scheint alles friedlich. Einige Ausweichmanöver müssen wir trotz allem nach wie vor tätigen um dann endlich freie Fahrt in Richtung Almeria zu haben. Nicht ganz stressfrei waren die letzten zwei Tage doch bald ist unser Ziel erreicht und wir können die Magellan ein weiteres mal in einen sicheren Hafen fahren. 

Sind in Almeria…im sicheren Hafen!!!