Azoren zum Festland Portugal

Sind wir Seekrank oder eher krank auf See?

Die Nacht hat mir nicht wirklich eine gute Zeit beschert, denn als ich um 1.30 Uhr aufwachte hatte ich sehr starke Kopfschmerzen. So sehr dass ich selber nicht in der Lage war mir ein Aspirin zu holen, was dann eben Tom für mich erledigt hat. Und weil ich kaum sprechen konnte vor lauter Schmerzen meinte er ich solle doch am besten zwei Aspirin einnehmen. Da würde eines nicht mehr helfen. In dem Moment hätte ich fünf genommen die Hauptsache mein starkes Kopfweh würde weg gehen. Zur Wachablösung kann ich verständlicherweise nicht und so hält Tom weitere Stunden die Stellung. Im nu bin ich nach dem Einnehmen der Aspirin wieder eingeschlafen und habe über die nächsten Stunden nichts mehr mitbekommen. Als mich Tom dann um 6.30 Uhr weckte weil auch er endlich eine Ruhephase benötigt waren meine Kopfschmerzen zwar weg dafür spüre ich nun alle Glieder schmerzen. Meine linke Schulter scheint eine muskulöse Zerrung zu haben. Vielleicht vom festhalten der letzten Tage mit dem Seegang oder wahrscheinlicher vom Schlafen. Da ich nach der Einnahme der Aspirin eine blöde Liegehaltung eingenommen hatte und durch das stetige schaukeln des Schiffes auf meiner Schulter hin und her rutschte. Egal ich muss nun raus aus meinem warmen Bett und den Käpten ablösen der seinen Schlaf wirklich mehr als nur verdient hat. Zudem meint er als ich mich anziehe du hast Glück denn in einer halben Stunde wird es hell draussen. Eine solche Aussage tut in diesem Moment, wo das Bett viel angenehmer scheint als die Wachablösung und das Wissen draussen im Cockpit ist es kalt, wirklich gut. Denn es gibt fast nichts schöneres als in den Morgenstunden nach einer langen Nacht die Sonne aufgehen zu sehen und die Hoffnung das wir heute endlich mal wieder die Sonne zu Gesicht bekommen besteht. Die dicke Wolkendecke hat sich nämlich in der Nacht verzogen und es scheint als würde der heutige Tag etwas Wärme und Sonnenschein bringen. So sitze ich also mit meinem Kaffe erst ein mal da und versuche mich etwas zu lockern und meine Sinne zu sortieren, denn ich fühle mich total zerknittert und eigentlich voll im Elend. Der Tag so denke ich kann ja nur besser werden!!!

Also mache ich mir zwei Stunden später erst einmal ein gutes Frühstück mit Nutella auf’s Brot, Müesli mit Joghurt und zwei Spiegeleier. Gut soll es mir tun und mir kraft für den Tag geben, denn ich friere nach wie vor und auch die Sonne lässt immer noch auf sich warten. Tom frühstückt gemeinsam mit mir meint jedoch er müsse sich gleich wieder hin legen, denn die zwei Stunden Schlaf die er soeben hinter sich gebracht hätte wären längst nicht genug. Was ich ja durchaus verstehe, hat er ja fast die ganze Nacht Stellung gehalten da ich mit meinen Kopfschmerzen zu nichts fähig war. Also legt sich Käpten Tom ein weiteres mal schlafen und diesmal dauert es bis 13.30 Uhr wo er zu zweiten mal aus seinem Bett gekrochen kommt. Aber hallo wie siehst du denn aus war sogleich meine Frage an ihn denn halb gebückt steht er in der Magellan und sein linkes Auge geschwollen. Da wo sich normalerweise eine Tränendrüse befindet hat er keine mehr, stattdessen einen grossen weiss-gelben Eiter buck. Was um Himmels Willen ist denn mit dir nicht in Ordnung will ich so gleich wissen. Seine erste Antwort war er hätte Schmerzen neben dem Auge was für mich ja kaum zu übersehen war und dazu komme noch das er seit wir losgesegelt sind in Sao Miguel nicht mehr auf die Toilette konnte um sich zu entleeren. Ohh nein das darf doch nicht wahr sein, bin ich als Crew heute doch selber nur knapp zu gebrauchen und jetzt ist mein Käpten noch viel mehr im Elend als ich. Also bleibt mir nichts anderes übrig als wieder einmal auf Dr. Denzler zu machen. Als erstes muss dein Darm entleert werden und das versuchen wir am besten mit Essen und zwar einer Ananas, die wird deine Darmflora bestimmt anheizen du wirst schon sehen. Tom der über solche Sachen nicht immer sehr begeistert reagiert geht es jedoch im Augenblick wirklich nicht gut und so ist er bereit mein Ananas-mittags-menu und zum Nachtisch gleich noch einmal Ananas zu essen. Und zu seinem grossen Erstaunen klappt kurze Zeit später auch die Sache mit dem entleeren seines Darms. Lächelnd sage ich zu ihm; siehst du was eine frische Ananas alles für Wunder wirken kann und nun leg dich hin denn jetzt schaue ich mir dein Auge einmal genauer an. Dazu hole ich mir eine Pinzette, eine Nadel ein Feuerzeug um die Nadel zu desinfizieren und genügend Taschentücher. Denn sollte mein Vorhaben funktionieren so wird bestimmt eine Menge Eiter heraus kommen. Natürlich musste ich Tom überzeugen das ich weiss was ich tue, denn er hat gerade auf „Sissi“ gemacht und wollte eigentlich gar nicht mehr hinhalten als er mich mit meinen Utensilien in der Hand kommen sah. Eifrig erklärt er mir ob ich eine Ahnung hätte wie fest ihm sein Auge weh tut. Und ob ich mir sicher sei was ich hier tun will. Zudem sei das schon ganz nahe beim Auge und ich dürfte da kaum hin fassen weil es so fest schmerzen würde und und und…doch ich gebe nun nur noch den Befehl hinlegen. Du willst ja wohl nicht warten bis daraus einen noch grösseren Furunkel entsteht und schon erzähle ich ihm Geschichten aus meiner Drogenzeit und was Furunkel so auf sich haben. Schnell wollte er davon nichts weiteres mehr hören und legt sich im Cockpit auf die Backskiste. Überhaupt Tom fahre ich fort mit meinen Worten, heute ist der Seegang sehr moderat und wenn wir bis Morgen abwarten kann die Welle wieder einiges höher werden und das Arbeiten mit einer Nadel am Auge noch viel gefährlicher und das wollen wir doch beide nicht. Also hat er mich mit viel murren und einem stetigen jammern an seinem mega Furunkel mitten an der Tränendrüse werkeln lassen. Obschon ich sagen muss, ich war mir nicht ganz sicher ob der Käpten diese Aktion überleben wird, denn er hat so fürchterlich gejammert. Doch bevor er realisierte ob die riesige „Operation“ schon im Gange war, war ich schon fertig und das viele Eiter draussen.

Tom mit Suppe zum Mittagessen und der vorbeiziehende Frachter erstaunt ihn, haben wir doch einige Tage kein anderes Schiff gesehen.

Ein mal mehr ist mir klar warum Frauen Kinder auf die Welt bringen und nicht Männer, denn Männer sind einfach die grösseren wehleidigeren Wesen. Gut nur habe ich in meiner Kindheit auf dem Bauernhof in der Talau auch einige gute handgreifliche Tipps mit auf meinen Lebensweg bekommen. So brauche ich nicht immer gleich einen Arzt aufzusuchen sondern kann mir als Frau Dr. Denzler auch selber mal zur Hand gehen. Und Hausmittel gibt es ja zu genüge, man muss sie nur kennen und anwenden. So bin ich als kleines Mädchen im Wald oberhalb des Bauernhauses meiner Grosseltern in ein Wespennest getreten. Mit dabei war mein Bruder der jedoch gleich das Weite gesucht hat und mir befahl ich soll mal stehen bleiben er werde Mami holen. Witzbold, ich stehe im Wespennest und er meint ich soll stehen bleiben. Zudem ist der Wald bestimmt 200 Meter überhalb des Hofes wie soll er Bitteschön mal schnell unsere Mami holen. Wie viele Wespen mich gestochen haben bis ich mich endlich in Bewegung setzte und mich schreiend in Richtung Hof, die Wiese hinunter rannte weiss ich natürlich nicht mehr. Mein Grossvater hat mich unten in Empfang genommen und mir die Wespen die mich verfolgten und mir in der Kleidung und in den Haaren hingen an meinem eigenen Körper tot gedrückt. Dann brachte er mich zum Grosi in die Küche, die natürlich durch mein schreien alles mitbekommen hat und schon gut vorbereitet mit dem Hausmittel in der Hand bereit stand. Eilig zog sie mir die Kleider ab um mich von oben bis unten mit dem hauseigenen Schnaps einzureiben. Zusätzlich hat sie mir die steckengebliebenen Stacheln der Wespen aus dem Körper, auch mit einer Pinzette entfernt. Als ich kurze Zeit später aufgeschwollen und nach Schnaps riechend in der Stube lag diskutierte meine Grossmutter mit meinem Grossvater darüber ob sie wohl einen Arzt holen müssten der mich genauer untersucht, könnte ja noch gefährlich werden, so zerstochen wie ich da lag. Doch sie entschieden gegen einen Arzt denn sie wussten genau wie gut die Wirkung des hauseigenen Talau-schnaps war und zudem wussten sie sich ja auch immer zu helfen. Meinem grossen Bruder habe ich auf jeden Fall von dem Moment an nicht mehr geglaubt wenn er mir sagte, bleib mal da ich hole Mami. 

Gut sieht auf jeden Fall Tom’s Auge noch nicht aus doch er meint der Druck um sein Auge sei weg wie auch der Druck in seinem Darm. Ende gut alles Gut und auf alle Fälle gut zu wissen wir sind heute nur etwas krank auf See und auf keinen Fall Seekrank!!!