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Siesta in Spanien

Das die Südländer „Siesta“ machen kennen wir ja, doch was dies genau bedeutet erleben wir hier eins zu eins. Wobei ich dazu sagen muss, wir befinden uns hier in einem kleinen nicht wirklich sehr vom Tourismus überlaufenen Städtchen in Südspanien, nach wie vor an der Atlantikküste. Rota hat wirklich eine wunderbare Altstadt mit vielen kleinen Gassen die meist schön mit Pflanzen dekoriert sind. So wie auch schon in Portugal reiht sich eine Kopfsteinpflaster Gasse der Nächsten.

eine wunderschöne Kirche ziert die Altstadt..
…Burg von Rota mitten in der Stadt…
…und schöne Eingangstüren so weit das Auge reicht.

Dazwischen erscheinen immer wieder Plätze auf denen Monumente, Kirchen, Sitzgelegenheiten und natürlich reiht sich ein Restaurant dem andern. Kleine Geschäfte zieren zu dem das Leben der Altstadt, welche unmittelbar beim Hafengelände beginnt. Sogar der schöne Leuchtturm sieht hier noch aus wie ein Leuchtturm eben auszusehen hat. Gross ragt er vor der Stadtmauer in die Höhe, weiss bemalen mit roten Ringen versehen, genau so wie ein Kind einen Leuchtturm malen würde.

Der Leuchtturm von Rota.

Das spazieren durch die Altstadt ist jedes mal spannend denn wir entdecken immer wieder neue Gassen. Die Menschen die hier leben erscheinen mir äusserst freundlich und sehr entspannt und zufrieden. Viele betreiben als Hobby das Fischen, so kommt es das in unserer Marina nicht nur ein paar Segelschiffe stehen, nein viel mehr stehen hier Fischerboote die privat Personen gehören. Das erinnert mich sehr stark an die Momente wo wir mit der Magellan noch auf dem Zürichsee segelten. So kommt es mir oft ein bisschen vor wie in Erlenbach in unserem früheren Segelclub wo wir vor unserer Reise einige Jahre Mitglied waren. Die pensionierten Herren treffen sich dort täglich um gemütlich zusammen zu sitzen und interessante Sachen auszutauschen. Da ist es genau gleich, mit dem einen Unterschied das sich die Herren nicht in einem Segelclub treffen sondern auf den Steg Anlagen. Wo sie sich täglich um ihre Fischerboote kümmern und es so einiges auszutauschen gibt. Da wird geplaudert und gelacht, gerufen und gemacht, getrunken, gegessen und immer wieder auf’s neue das Boot geputzt. Tag täglich ein ähnliches Szenario. Mit dabei der Carlo, Antonio, Chose und wie sie alle heissen. Familiär geht es hier in der Marina definitiv zu und her denn es scheint so als würde jeder jeden kennen. 

Fischerboote in der Marina, das ist unsere Steg Anlage…
…stolz werden uns die gefangenen Fische gezeigt.

Dieses Wochenende war Musikfestival, von Freitag bis Sonntag, was so viel bedeutet wie „Grande Fiesta“ für jedermann. Abends um 23.00 Uhr begann jeweilen das Spektakel erst, dafür dauert es bis in die Morgenstunden um 6.00 Uhr. Danach jedoch ist Ruhe in der Stadt bis auf die Putztruppe welche mit Wasserschläuchen die Strassen und Gassen der Altstadt säubern muss. Jede Ecke wird gebraucht um zu Urinieren und um den entsprechenden Mageninhalt zu entleeren, bevor das feucht fröhliche „Saufen“ weiter geht. Für mich sind dies katastrophale Bilder die da zu sehen sind. Einfach unglaublich, da mischen sich Touristen mit Einheimischen und leben kurz spitz einen auf vollkommenes Besäufnis.

Wenn ein Spanier im Restaurant sitzt ist der Boden sogleich der Aschenbecher. Wenn sie wieder weg gehen sieht das dann so aus.

Die Altstadt ist in den Morgenstunden dann bedeckt mit tonnenweise Abfall und Scherben so weit das Auge reicht. Und all dies wird geduldet mit der legalsten Droge der Welt, dem Alkohol. Einfach extrem was hier dieses Wochenende abgelaufen ist.
Glücklicherweise sind wir hier in der Marina mit einem Abstand von ca 200 Meter zur ersten Disco entfernt. Zudem ist das gesamte Hafenareal gut gesichert und die Steg Anlagen zusätzlich abgeschlossen, so sind wir sicher und in einigermassen sicherer Entfernung zum nächtlichen Geschehen des übermässigen Einflusses des Alkohol’s und dessen Auswirkungen. Zudem sind es meistens die Touristen die vollkommen über den Strang hauen und sich nicht mehr zu benehmen wissen und nicht die Einheimischen. Übel ist das, oder vielleicht bin ich auch einfach nur schon zu alt um so was mit zu erleben. Eventuell musste ich mich zu lange mit illegalen  Drogen und dessen Auswirkungen auseinander setzten, und bekomme die Wirkung der legalen Drogen Tag täglich zu spüren. Warum Alkohol legal ist wenn ich mit solchen Situationen konfrontiert werde frage ich mich immer wieder. Denn die Bilder mit denen ich mich da auseinandersetze sind wirklich nicht viel anders als die zu meinen Zeiten in der Drogenszene, ausser eben Alkohol ist so was von Legal. Kaputt an der Sucht geht hingegen genau so viel wie bei der Sucht von illegalen Drogen.

Siesta in Spanien bedeutet, alle Geschäfte sind von Nachmittag um 13.00 Uhr bis Abends um 18.30 Uhr geschlossen. Für mich relativ schwierig damit umzugehen, da am Nachmittag meine Zeit wäre um einzukaufen und Sachen zu organisieren. Hier jedoch ist das ein Ding der Unmöglichkeit, ausser den China-Shops bleibt alles geschlossen. Also was wir nicht am Vormittag kaufen gehen, muss warten bis am Abend. Bei den Menschen hier in Rota scheint das kein Problem zu sein, die sind sich das so gewohnt. Da der Alkoholkonsum hier bei alt und jung, bei Frau und Mann ein Thema zu sein scheint benötigen sie, das ist meine Meinung, die Mittagspause von 13.00  bis 18.30 Uhr auch um sich zu erholen. Nicht selten vom Konsum des Alkohols welcher auch am Vormittag hier als normales Getränk konsumiert wird. Da ich schon aufgewachsen bin mit einem grossen Alkoholproblem in unserer Familie, habe ich mein Suchtverhalten doch eins zu eins vererbt bekommen, kann ich mit dem stetigen Trinkverhalten kaum umgehen. So haben auch Tom und ich seit einiger Zeit stetig Auseinandersetzungen wegen seines Trinkverhaltens, denn ausser Kaffee trinkt auch er nur Bier. Das trinken jedoch von Bier oder sonstigen alkoholischen Getränken wäre ja nicht das Haupt Thema, viel mehr sind es die Arten und das Verhalten eines Menschen mit Alkohol im Blut. So streiten wir uns und sind stetig geteilter Meinung dank des Alkohols. Genau so läuft es ab wie ich es schon als Kind in meinem Elternhaus erlebt habe und darauf kann ich grundsätzlich gut verzichten. 

Auch die Magellan macht Siesta!!!

So ist es endlich an der Zeit das wir nach einer Woche Rota verlassen können. Da die Winde nicht zu unseren Gunsten aus der Strasse von Gibraltar kamen mussten wir hier jedoch abwettern. Jetzt fahren wir heute jedoch los und hoffen ein gutes Stück voran zu kommen. Alkohol führen wir wie normal keinen mit, so werden sich auch unsere Gemüter, so hoffe ich etwas erholen.  
Meine einzige Sorge sind nun die vielen Flüchtlingsboote die zwischen Marokko und Spanien unterwegs sind. Da erhoffe ich mir auf keinen Fall eines zu sehen oder gar auf Kurs zu haben. Wenn wir heute hier in Rota auslaufen so werden wir in ungefähr 12 Stunden die Strasse von Gibraltar erreichen um dann weitere Stunden damit verbringen sie zu durchqueren. Unser Plan ist es an der nördlichen Küste, also entlang von Spanien zu segeln. Damit möchten wir der gesamten Schifffahrtslinie aus dem Wege gehen und Abstand zur afrikanischen Küste halten. Ich reue mich sehr auf die Rückkehr in das Mittelmeer. Somit wäre dann auch mein Traum vom Atlantik zu Ende.