Reise

 

…wann genau beginnt eigentlich so eine Reise…

…am Tage des Aufbruches wäre bestimmt die meist gesprochene Antwort.
Meine in Zwischenzeit nicht mehr. Meine Antwort zum Thema, ist folgende: mit akribischer Vorbereitung und durchdachter Planung, wenn die Freiheit ruft und zu guter letzt dann auch der Mut mitmacht.

Im Herbst 2001 erzählte ich einer Freundin, von meinem grossen Lebenstraum.
Einmal mit einem Segelschiff den Atlantik überqueren. Das müsste es sein dachte ich……das Gefühl der absoluten Freiheit.
Das Gefühl der Freiheit, und Freiheit ist eben auch Mut…

Ich, alleinerziehende Mutter einer Tochter, glücklich geschieden da ich mit meinem Ex-Mann keinen Kontakt habe.
In meinem Leben bis dahin gab es immer wieder grosse Veränderungen.
Nicht in meiner Kindheit doch dann als junge Erwachsene.
Ich war auf der Suche, wusste jedoch lange nicht wonach.
Heute weiss ich wonach ich suchte, nach meinem „ich“.
Ich denke mir, das ist etwas wo sich viele Junge Menschen nicht im Klaren sind, das was und wer bin ich.
Ist ja auch etwas Schwieriges in unserer Gesellschaft, wo der Materialismus eine grosse Rolle spielt.
Fröhlichkeit und ein lächeln war mir mit in die Wiege gelegt worden. Immer positiv denken und etwas mehr power in alles stecken als nötig.
Ich war stets voller Energie doch damals sehr „Bodenlos“.

Meine Vorstellungen an die „Freiheit“ war, es kommt schon wie es muss. Im jugendlichen Leichtsinn realisierte ich nicht, das ich für mich und meine Entscheidungen lebenslange Konsequenzen zu tragen habe.
Ich hatte bereits im alter von 16 Jahren mit dem konsumieren harten Drogen begonnen. Polizei, Entzugsstationen, Platzspitz, Letten, Therapieplätze bestimmten in der Folge über 13 Jahre mein Leben.

Zurück zum Jahr 2001.
Ich beendete gerade meine zweite Therapie
Meine Tochter war damals acht Jährig ich im Kampf mit „sauber“ und Drogenfrei Leben…

…da begann die Reise…

… diese Freundin griff meinen Satz nochmals auf… Du willst also über den Atlantik segeln?!?! Da muss ich dir unbedingt meinen Bruder, den Tom vorstellen. Tom segelt schon seit er sechs Jahre alt ist. Er wurde in’s Segelboot geboren und ist auch darin aufgewachsen. Mit acht Jahren hat er sein erstes eigenes Segelboot, vom Typ Optimist.
Ich lachte und sagte nein danke. Brauche gerade keine „Männer“.

Kaum gesagt stand die Lisa, so heisst diese Freundin mit ihrem Bruder Tom, zusammen mit mir und meiner Tochter Jessica, auf der Skipiste.
Es war der 27. Dezember 2001.
Natürlich ging es an diesem Skitag irgendwann dann auch mal ums Wesentliche. Meinem Traum, mit dem Segelboot den Atlantik zu überqueren
…Freiheit spüren…
Voller Freude habe ich erzählt und philosophiert…über meinen Traum…der Freiheit auf dem Meer. Den Wunsch einmal über den Atlantik zu segeln.
Der Tom hat mich dann ganz ruhig und überlegt gefragt, ja und wenn du nach ca. 20 Tagen drüben ankommst steigst du aus und dein Wunsch dein verlangen ……deine Freiheit zu finden und zu spüren ist dann weg und gelebt? Erlebt und gehabt? Tschüss und vorbei?!
…uffffff… soweit hatte ich mir, meinen Traum……von der Freiheit nicht fertig überlegt. Was kommt danach?

2005 kauften wir gemeinsam (Tom und ich) die Magellan als alte, ziemlich morsche „Schiffs-Dame“.
Günstig war sie ja, doch auch sehr marode. Jedoch hatte genau dieses alte Schiff den gewissen Charme. So viel gute Aura, ja, genauso ein Schiff sollte es sein…wenn schon!
2004 hatte ich die Magellan auf dem Zürichsee das erste Mal gesehen. An einer Segelregatta der Zürcher Stadt- und Kantonspolizei.
Tom hatte die Möglichkeit, als Gastsegler auf einer Jacht an dieser Regatta teilzunehmen und ich durfte dabei sein.
Dort war die Magellan auch am Start und ist uns sofort ins Auge gestochen. Der damalige Besitzer, auch ein Polizist, wollt das Schiff verkaufen, er hatte den Wunsch nach einem Neuen.
Dies war unsere Gelegenheit, unsere Chance.

Doch…wieder Polizei…? War doch endlich paar Jahre „clean“ und nun sollte ich in einem Schiff leben das von einem Polizisten kommt.
Egal, die Magellan war zum Verlieben schön. Wunder- wunder- wunderschön!!!
2005 haben wir die Magellan gekauft.
Danach intensiv gesegelt, umgebaut, gesegelt, umgebaut, gesegelt bis die Pläne konkreter wurden.
Natürlich wollten wir von Anfang an nach unseren Bedürfnissen umbauen und hatten auch genug Zeit, uns sehr akribisch auf unser Abenteuer, das reisen mit dem Segelschiff vorzubereiten.

Welche Route wir segeln und wo wir starten werden hatte uns immer sehr intensive Diskussionen gebracht. Das einzige was immer klar war; wir wollen nach St.Domingo, denn dort lebt Tom’s Vater. Dieser ist vor 10 Jahren ausgewandert und wir wollten ihn unbedingt besuchen.
Unser genaue Reiseplan entwickelte sich nach und nach. Immer konkreter wurde es dann erst im letzten Jahr, also 2016.

Nun beginnt sie endlich, die so lange vorgeplante Reise. Am 25 April wird unser Schiff vom LKW nach Italien in die Marina Punta Gabbiani in Lignano transportiert.
Ca. sechs Wochen wird der geplante Aufenthalt, für Aufbau und letzte Vorbereitungen, in der Marina dauern. Dann werden die Leinen losgemacht.

Das Abenteuer kann beginnen!

Die geplante Reiseroute…

Die effektive Reiseroute…

Wie zu erwarten wich die effektiv gesegelte Reiseroute mal mehr und mal weniger von der geplanten ab. Jedoch konnten wir all unsere Reiseziele besuchen und sind mit der gesegelten mindestens genau so zufrieden wie mit der geplanten.

Die Karte der von uns gesegelten Route sieht wie folgt aus:

Und weil’s so schön war unterwegs noch einige 3D-Eindrücke mitsammt GPS-Daten.
(Anker = Ankerplatz; Segelboot = Marina oder Hafen)

Überquerung des Atlantiks

Strasse von Gibraltar bis Grenada

Grenada nach 22 Tagen Atlantiküberfahrt