Azoren

Packliste

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Ein weiteres mal bin ich am packen was sich komisch anhört und doch ist es so etwas wie packen für einen weiteren Ausflug.

Die Azoren, kann ordentlich kühl werden wenn man sich karibische Verhältnisse gewohnt ist!!!

Morgen soll es weiter gehen und knapp 900 Seemeilen Fahrt liegen vor uns. Wir segeln von den Azoren der Insel Sao Miguel nach Lagos in Portugal, das zumindest ist unser Plan A. Durch etliche Gespräche die wir mit diversen Seglern hatten soll dieser Turn nicht unbedingt der einfachste sein, denn an der Küste von Portugal sind Meter hohe Wellen keine Seltenheit. Da wird von einer Wellenhöhe von bis zu 5 Metern gesprochen je nach dem welches Wetter in den nördlichen Regionen gerade herrscht. Zudem drückt der Golfstrom ganz gewaltig die portugiesische Küste hinunter. So also wird es wenn die Wetterverhältnisse nicht optimal sind bestimmt kein Sonntagsegeln. Nichts desto trotz wir müssen weg hier und unser Weg führt ob wir wollen oder nicht in die Richtung der rauen portugiesischen Küste. Anscheinend sei es gut immer die Höhe von Lissabon anzusteuern denn Richtung Süden werden wir automatisch abdriften, so die Tipps der Segler. Die Winde sind momentan unkonstant obwohl wir die beste Zeit haben um die Azoren zu verlassen. Anscheinend war das noch vor einigen Jahren nicht so ein grosses Problem, doch heute mit den  Wetterverhältnissen die sich stetig ändern ist es schon schwieriger gute Wetterfenster zu erwischen. Und wenn erst einmal ablegt um zum Festland Europas zu gelangen gibt es oft kein zurück mehr. Wobei es nicht so sehr eine Rolle spielt wie viel Windstärken gerade blasen, nein der Seegang ist ein mal mehr das Thema wenn wir unterwegs sind. Der Wind ist momentan so unkonstant dass wir täglich mit anderen Verhältnissen rechnen müssen, sogar mit zwei drei Tagen Flaute. Also müssen wir auch genügend Diesel für diese Zeit mit an Bord haben was jedoch kein Problem ist, denn kein Segler verlässt einen Hafen mit halb vollem oder gar leerem Tank. Denn auch Segler brauchen hin und wieder Treibstoff und ist es nur um den Motor zu starten um in den sicheren Hafen zu fahren. Jeden Tag beschäftigt sich Käpten Tom mit dem Wetter und wirklich optimal scheint es nicht zu sein. Also ist es auf jeden Fall wichtig das die Wetterlage einigermassen gut ist wenn wir nach einigen Tagen zur Küste kommen. Bis da hin haben wir, so sind die Prognosen Winde von allen Richtungen. Dass heisst ein mal von vorne am häufigsten Querab und wenn wir viel Glück haben noch ein bisschen Wind von hinten, was zwar bedeutet die Magellan rollt hin und her, jedoch das Material wird nicht so sehr belastet. Die Welle und die Strömung wird jedoch immer von  Nord nach Süd kommen, also Querab was ein sehr unangenehmes Segeln sein wird. Da ist ein mal mehr gut zu wissen, wir sind nicht die einzigen die auf relativ gute Wetterbedingungen warten um den sicheren Hafen von Sao Miguel zu verlassen und auf dem Atlantik einige hundert Seemeilen hinter sich zu bringen. So sind wir also bei weitem nicht die einzigen die mit dem Vorbereiten des nächsten Turn’s beschäftigt sind. Auf einigen anderen Schiffen laufen die selben Vorbereitungen wie bei uns auf der Magellan. Schön um mit anzuschauen, überall wird gewerkelt, geputzt eingekauft, das Rigg geprüft, Wetter herunter geladen und letzte Erledigungen gemacht. Ich fühle mich wie in einer grossen Segler-Familie fast so wie auf der Insel Faial in Horta wo wir vor einem Monat mit einigen anderen Seglern angekommen sind. Auch da haben alle eine grosse Reise hinter sich denn alle sind wir von der Karibik egal ob von den kleinen oder den grossen Antillen her angekommen. Alle hatten wir viel erlebt, etliche Schäden zu verzeichnen und alle waren wir sichtlich froh die Azoren erreicht zu haben. Und jetzt sind wir in Sao Miguel der letzte grössere Ort der Azoren und alle machen sich fertig wieder auf das offene Meer hinaus zu fahren. Die meisten gehen Richtung Nord, England, Frankreich, Nordsee und Ostsee. Wir sind nur wenige die den Schlag in Richtung Mittelmeer auf sich nehmen. Die portugiesische Küste wie dann auch die Strasse von Gibraltar liegt vor den Mittelmeer Seglern und das scheint wohl nicht jedermann’s Ding zu sein. Zudem die Nordländer sowie auch die Engländer und die Franzosen der Bretagne ein grosses Seglervolk sind. Norweger, Deutsche, Schweden, Finnen, Russen, Iren, Holländer und noch einige mehr fahren nach Norden. Also sind wir die ins Mittelmeer reisen eindeutig in der Unterzahl. Zudem verlassen die Mittelmeer Segler nur selten das doch ruhige und sichere Mittelmeer, denn der Atlantik ist viel rauer und ein zurück gibt es selten. Da kommt es nicht darauf an wo man gerade hin will, sondern viel mehr wo einem die Winde und die See hin blasen respektive hin spülen. So gibt es ganz einfach die bekannte Atlantik Runde so wie wir sie in den letzten Monaten gesegelt haben. Und auch da ist immer gut auf das Wetter zu achten und eben auf den Seegang. Nun haben wir über 9000 Seemeilen hinter uns und einige Erlebnisse und Abenteuer die uns tonnenweise Erfahrung geleert hat. Dazu kommt natürlich das Tom ein „uralt Segler“ ist, das heisst schon vor 30 Jahren bis nach Thailand und Malaysia gesegelt ist. Dort also schon seine Hörner abgestossen hat und gute Erfahrungen mit auf unseren Segeltripp brachte. So hat er immer und jederzeit, auch wenn es schwierig wird einen Reserveplan mit dabei. Gelernt habe auch ich einiges auf den abgesegelten Seemeilen seit wir im Mai 2017 Norditalien verlassen haben. Vor allem was wirklich wichtig ist wenn wir über längere Zeit auf offener See unterwegs sind. So hat sich auch meine Packliste erstaunlich verändert. Mit Packliste meine ich nicht die notwendigen und normalen Sachen die jedermann bunkert bevor er den sicheren Hafen verlassen wird. Nein, mit Packliste meine ich vor allem Dinge die benötigt werden wenn es um das Überleben geht, dann wenn Segler so richtig in den „Scheiss“ kommen. Denn Sonntagssegeln ist die eine Sache, in Notfällen reagieren zu können eine ganz Andere.

Der Grabbag und ich sind bereit…
…die Wetterkarten heruntergeladen.

So gibt es durchaus Notfälle wo Segler ihr Schiff verlassen müssen, da ein Sinken unaufhaltsam bevor steht, was natürlich das grösste Übel eines jeden Segler ist. Sein Schiff verlassen zu müssen und in die Rettungsinsel umsteigen nachdem jeder Kampf um das Schiff verloren ist soll auch gut überlegt und vorbereitet sein. Was wir natürlich auf keinen Fall hoffen dass ein solches Problem auftritt oder gar Realität wird. Doch sollte es wirklich so weit kommen hilft zum Überleben nur eine wirklich gute Vorbereitung und ein gut gepackter Grabbag. In unserer Rettungsinsel, welche Vorschrift ist für Langfahrtensegler befindet sich natürlich Wasser jedoch nur für 24 Stunden. Doch alleine mit Wasser ist noch kein Überleben gesichert. Viel mehr kommt das Problem des Essens oder der wunden Hände die durch die Feuchtigkeit entstehen wenn man in eine Rettungsinsel umsteigen muss. So gehört auch ein guter Schwamm in einen Grabbag, denn durch das Einsteigen in eine Rettungsinsel kommt viel Wasser sprich Salzwasser mit hinein. Dazu kommen Kopfschmerzmittel wie Aspirin, Sonnencreme, auch wenn die Insel ein Dach hat. Wichtig auch sind Pomadenstift für die Lippen und eine Zahnbürste und Zahnpasta. Ovosport, Zwieback, Silch mit Fischerhaken und ein Schweizer Taschenmesser gehören bei uns auch in den Grabbag wie auch Taschentücher um nach dem verrichten des Geschäftes das Hinterteil zu reinigen. Ja solche und noch mehr Sachen haben wir unterwegs gelernt. Diese können plötzlich zu Überlebens wichtigen Dingen werden. Denn der psychische Zustand spielt in einer solch misslichen Lage die Hauptrolle um das Überleben zu gewährleisten. Sollte man tatsächlich tagelang da draussen auf Hilfe warten müssen ist man auf sich selber gestellt und mit psychisch besseren Zustand, so gut es denn eben geht hat man eine bessere Chance relativ glimpflich davon zu kommen. Also hat sich unser Grabbag immer wieder mit neuen Sachen gefüllt die uns doch wichtig erscheinen. Ein Funkgerät kommt auch bei jeder längeren Überfahrt mit hinein, natürlich soll die Batterie des Gerätes gecheckt und aufgeladen sein. So sind neben den Leuchtraketen auch 2 Pakete Zigaretten und zwei Feuerzeuge mit im Bag. Auch wenn diese Dinge allen etwas lächerlich erscheinen verhilft es uns doch zu wissen, im Falle eines Falles können wir einige Tage und das würden lange Tage werden einigermassen „Luxuriös“ auf Hilfe warten können. 

Die 4 Wochen die wir hier auf den Azoren weilten sind nun um. Eine Zeit mit vielen Erlebnissen und neuen Erfahrungen geht zu Ende. Freuen tue ich mich nun wirklich auf das Mittelmeer, denn  ich sehne mich nach Wärme viel Sonne und endlich wieder angenehmen Wassertemperaturen. Obschon die Azoren einen traumhaften Ort mitten im Atlantik sind erscheint es mir doch zu rau um über längere Zeit mit der Magellan hier zu verweilen. 

Die nächsten knapp 900 Seemeilen werden wir hoffentlich in 8 Tagen absegeln um dann ein weiteres mal, stolz auf unsere Leistung im Hafen festmachen zu können. Die Vorbereitungen sind alle erledigt und auch die Angelrute ist schon griffbereit. Es kann los gehen…