Portugal

Ich versuche es mal…

Ausgeschlafen bin ich nicht wirklich, obschon die Magellan ganz ruhig in ihrem Hafenplatz steht. Doch die Unruhe in mir hat nichts mit der Situation zu tun wie ruhig die Magellan gerade steht, mehr das ganze Treiben um mich herum stresst enorm. Bin mir so ein Treiben wirklich nicht mehr gewohnt, denn schon in den für mich frühen Morgenstunden, 7.30 Uhr drängen sich die Touristen wieder vor den Steg Anlagen der Marina in Massen herum. Alle haben sie einen Bootstrip in die nahe gelegenen Höhlen oder ein Delphin-Watching gebucht. Mit roten Schwimmwesten bekleidet stehen sie da zu hunderten und warten auf die motorisierten Gummiboote die sie hinausfahren, schauen aus wie „afrikanische Flüchtlinge“ sorry dieser Vergleich! Das Gedränge vor den jeweiligen Toren zu den diversen Stegen ist gross denn jeder möchte zuerst im Boot sitzen im Glauben so den besten Platz ergattern zu können. Laut geht es zu und her!
Für mich, so glaube ich es auf jeden Fall steht fest, wenn all die Menschen sich hier in Massen tummeln so wird es wenigstens in der Altstadt keine Menschenmassen haben. So nehme ich mir also vor mir die Sehenswürdigkeiten der Stadt anzuschauen. Zudem habe ich fest den Wunsch mir etwas schönes zu kaufen, den beim hineinfahren gestern habe ich viele Marktstände entdeckt. Endlich ein mal einen neuen Rock oder eine neue kurze Hose wäre ja wohl nicht das schlechteste, denn meine kurze alte Jeanshose besteht nur noch aus Löchern. So mache ich mich nach dem Frühstück auf den Weg zum Shoppen und um mir die alten Bauwerke hier in Portugal anzuschauen. Schon als Kind habe ich von meinem Vater mitbekommen das die Portugiesen viele Fliesen verbauen und spitze sind im verlegen von Kopfsteinpflaster. Also mache ich mich guten Mutes und im Wissen das die vielen Touristen ihren Tag auf dem Wasser verbringen auf den Weg. Zu meinem grossen Erstaunen beginnt die Altstadt direkt hinter der ersten Hotelreihe die sich um das Hafengelände befindet. Also geht mein Fussmarsch gar nicht weit und schon bin ich da. Mitten im Getümmel von aber tausenden von Touristen stehe ich da und kann es kaum glauben. Das Treiben scheint hier noch einiges grösser als in und um die Marina. Keine Ahnung wo die alle herkommen denn in meinen Augen gibt es hier schon viele Hotelanlagen, aber sooooo viele? Am liebsten würde ich wieder umkehren und mich auf der Magellan verkriechen doch ich atme zwei mal tief durch und marschiere los hinein in die Menschenmenge. Wenn ich in Zürich einen solchen Menschenauflauf brauche so gehe ich am Samstag Abend in das Niederdorf, was ich jedoch genau aus diesem Grund nicht mehr tue. Mein Gefühl sagt mir, gehe da nicht weiter das ist nichts für dich Claudia. Doch ich versuche es einmal denn die Lust mir irgend etwas schönes zu kaufen ist da. Zudem ich mir nicht einmal in der Karibik schöne Kleider kaufen konnte, denn dort stand ja auf jedem Kleidungsstück Made in Indonesien, also falscher Kontinent auf dem ich mich befand. So konzentrierte ich mich zuerst einmal darauf woher die Kleider welche sie hier verkaufen kommen. Zu meinem grossen Erstaunen kommen alle, wirklich alle Kleider die angeboten werden aus Italien. Wenigstens etwas, da hat die angebotene Wahre wenigstens bevor sie verkauft werden kann nicht noch den Kontinent gewechselt.
Die Läden sind bis obenhin mit billigwahre aufgefüllt und dazwischen wimmeln und wühlen dutzende von Menschen in Gestellen herum. Die jeweiligen Schlangen an den Kassen, wo sich die Touristen in der Hitze anstellen um zu bezahlen gleichen derer wie bei uns im H+M an einem Samstagnachmittag. Solche Bilder lassen mich die Läden im rasanten Tempo gleich wieder verlassen, besser noch ich gehe gar nicht erst hinein. Es ist mir zu heiss und zu anstrengend mich in dem Getümmel durchzukämpfen. So mache ich mich auf in die Seitengassen der Altstadt wo auch ein reges Treiben herrscht jedoch keine Verkaufsläden stehen. Da auch alle Restaurants masslos überfüllt sind was auch kein Wunder ist, denn wir haben mittlerweile Mittagszeit, kaufe ich mir eine Cola und setzte mich im Schatten auf einen grossen Stein und schaue dem Treiben der Leute mit Abstand zu. Mit dem Gedanken das ich einfach nicht gemacht bin für diesen Massen von Touristen schlendere ich kurze Zeit später in den hinteren Gassen von Lagos umher. Schaue mir Häuser, deren Baustiele und eben ganz viele bunte Fliesen an. Hübsch wirklich hübsch haben die früher gebaut. Fliesen in gross und in klein, ganze Sprüche oder auch Heiligenbilder sind darauf zu sehen. Die einen Fassaden haben Fliesen bis in den ersten Stock hoch gezogen. Türen sind aus hartem Holz und weisen schöne Verzierungen auf. Sogar die Schlitze der Briefkästen welche meist aus Messing sind haben Verzierungen in den Rahmen. Liebevoll gestaltet leider doch oft baufällig sehen die jeweiligen Häuserfronten aus. Plötzlich sehe ich ein kleines Geschäft an dem links und rechts neben der Eingangstüre dicke von Hand gestrickte Wollpullover und Ponchos zum Verkauf aufgehängt sind. Sogleich bin ich überwältigt von der schönen Ware und schaue auf den Herstellungszettel, „artesanato de Portugal“! Genau mein Ding so stürze ich sofort in den hübschen mit Wollsachen gefüllten Laden und bin die einzige Kundin darin. Die alte Dame die gelangweilt hinter ihrem kleinen Tischchen sitzt erfreut sich sehr über meinen Besuch und merkt auch auf Anhieb wie viel Freude ich an ihrem Angebot aufbringe. Und mit der Erklärung ich komme eben aus der Schweiz wo es im Winter sehr kalt wird probiere ich gleich einmal einen Poncho nach dem anderen aus. Die gute alte Dame ist sehr freundlich und erklärt mir mit ihrem wenigen englisch wer und wo die Pullis und die Ponchos gemacht werden. Beim anprobieren der verschiedenen Sachen wird mir immer wärmer und wärmer, denn wer kleidet sich bei 30 Grad schon mit Wollpullovern und Ponchos aus Schafwolle ein! Nach dem achten Stück anprobieren läuft mir restlos der Schweiss und ich fühle mich masslos überhitzt und entscheide mich schlussendlich für einen dunkelgrauen Poncho. 26 Euro für ein Naturprodukt aus Schafwolle hergestellt und das Ganze handgefertigt in Portugal. Da habe ich ja ein richtiges „Schnäppchen“ gemacht indem ich im Hochsommer für den nächsten Winter in der Schweiz mir was tolles gekauft habe. Zudem ich die einzige Kundin weit und breit in diesem Geschäft bin, denn es kommt ja keinem in den Sinn bei solchen Temperaturen die hier herrschen sich in einen „beissenden“ Schafwollpullover zu zwängen…ausser mir!!! So habe ich also einen guten Einkauf getätigt und mache mich stolz über mein neu gekauftes Kleidungsstück, vorbei an tausenden von Touristen die sich um die sommerlichen  Kleider in den Geschäften reissen, zurück auf die Magellan.

mein neuer Poncho!!!

Bin stolz auf mich und muss Grinsen mit dem Gedanken…ist mal wieder Typisch ich, ich bin einfach nicht normal…was auch immer normal ist auf dieser Welt!!!