Azoren zum Festland Portugal

Du blöd, ich blöd alles blöd.

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Drei Tage läuft nun unser Motor. Kein Wind, was uns zwar nicht sehr verwundert denn die Wetterprognosen bei der Abfahrt in Delgada haben genau das vorhergesagt. Erstaunlich wie gut diese Prognosen ein weiteres mal genau das einhalten was sie vorausgesagt haben. So werden 24 Sunden im Tag zu einem langwierigen vor uns her tuckern mit dem stetigen Geräusch des Motors. Obschon ich im Grunde unseren Motor gerne rattern höre, denn es erinnert mich jedes mal an das tuckern eines kleinen Fischerbootes. Dazu kommt das wenn wir normalerweise den Motor starten geht es in einen Hafen hinein oder los zur nächsten Fahrt, also zum Hafen hinaus. Doch nun sind wir auf dem Atlantik und haben keinen Hafen, keine Marina und keinen Ankerplatz weit und breit. Keine Reparaturen am Schiff das uns eine Flaute willkommen wäre  zudem wir nicht die totale Flaute haben sonder einfach nur zu schwache Winde. Das heisst der stetige Wind der jedoch lediglich mit 4 Knoten daher kommt reicht nicht um uns unter Segeln weiter zu bringen. Zudem kommt das wir bis nächsten Sonntag um die Mittagszeit in Portugal, egal in welchem Hafen unsere Magellan sicher festgezurrt haben sollten. Denn und da komme ich erneut auf die Wettervorhersagen zurück habe Starkwinde an Portugals Küste vorhergesagt. Wind bis 20 und mehr Knoten und in den Böen bis 30 Knoten. Zudem kommen die Winde von Norden der portugiesischen Küste entlang. An der Südspitze von Portugal müssen wir ums Kap von San Vincente um danach nördlich den Kurs Richtung Lagos zu segeln. Was heisst wenn die Prognosen so eintreffen wie sie angesagt sind, dass wir  die gesamte Ladung des Starkwindes, zusammen mit dem Seegang und der Welle die sich an der portugiesischen Küste anscheinend extrem aufbaut querab zu spüren. Wenn wir das Kap San Vincente gerundet haben so geht es in nördlicher Richtung nach Lagos, sprich alles gegen den Wind. Und weil das alles etwas blöd ist können wir nicht einfach auf dem Atlantik herumtrödeln sondern müssen unseren Zeitplan, der Käpten Tom vorausberechnet hat einhalten. So läuft nun also der Motor damit wir nach wie vor ein Etmal von 110 Seemeilen in 24 Stunden im Kielwasser hinter uns lassen. Das ist blöd, denn der Motor über 24 nervt!!! Dazu kommt der Seegang, der zwar nicht wirklich wild daher kommt, jedoch durch die stetigen 4 bis 6 Knoten Wind sich nicht ganz beruhigt. So ist also stetig etwas Bewegung im Schiff, zudem die Tendenz des Seegangs von Nord nach Süd ist kommt die Welle von querab, also wirklich blöd. Glücklicherweise hat das örtliche Hoch wo wir uns gerade darin befinden wenigstens die dicke Wolkendecke vertrieben. So haben wir Sonne und einen wolkenlosen Himmel so weit das Auge reich und ich geniesse die herrliche Wärme in vollen Zügen. Vor allem auch deshalb weil die letzten Tage und Nächte nicht besonders angenehm daher gekommen sind und ich im Cockpit meist nur im Pullover und langer Hose verweilen konnte. Was ich übrigens auch als blöd empfunden habe und nur zu oft mich dem warmen Wetter und den angenehmen Temperaturen des Meers in der Karibik zurück erinnere.
24 Stunden im Tag müssen also auf eine Art und Weise verbracht werden die wir uns, jeder mit sich selber beschäftigen müssen, denn es gibt ausser kochen, essen und schlafen nicht wirklich viel zu tun, was mir schwierig und blöd erscheint denn wir wollen ja segeln und da gibt es immer etwas zu Händeln. Wenn es auch nur darum geht um sich mit der einstellen der Segelstellung, des korrigieren des Kurses oder die Pinne in die Hand nehmen um mit den Wellen zu surfen beschäftigen kann. Doch von all dem haben wir nichts in den letzten drei Tagen da wir einfach gerade aus vor uns her Motoren…wie öde und blöd ist das denn!?! Zu allem Elend kommt noch dazu dass kein einziger Fisch beissen möchte. Wahrscheinlich schieben auch die gerade mal so Flaute mit sich selber und geniessen das schöne Wetter. Nicht einmal ein kleiner Lutscher eines Fisches an einem Köder unserer zwei gesetzten Angelruten haben wir seit drei Tagen zu verzeichnen. Was bedeutet wir haben nicht mal die Abwechslung eines Drilles an Bord der Magellan zu verzeichnen. Was uns doch eher ungewöhnlich erscheint und das empfinden wir beide als blöd. Denn es bringt jedes mal Abwechslung und Aktion denn Drill bis zum Schiff zu vollenden um danach unseren Fang zu gaffen, den Fisch zu filetieren um danach ein schmackhaftes Sonntags Menü verspeisen zu können. So leben wir im Moment besonders langweilige Samstage die irgendwie sehr lang dauern und langsam aber sicher total nervig sind. Zwischendurch bastle ich mit Korallenstücken und Muscheln aus der Karibik einige Mobiles. Muss jedoch alle Bastelutensilien gut und rutschfest im Auge behalten denn der Seegang ist zu mühsam und die anrollenden Wellen von querab lässt mir meine Arbeiten immer zu Boden fallen wenn ich nicht gerade schnell genug mit dem Festhalten meiner Glas Perlen bin. So wird auch das basteln zu einem blöden Zeitvertreib und macht mir nicht wirklich Freude. Denn mit meinen nur zwei Händen habe ich wieder einmal minimum vier Hände zu wenig um alles sicher festhalten zu können, zudem noch Feinarbeiten mit Zange und dem aufgliedern der Glasperlen verrichten zu können. Also stecke ich auch meine Lust zum basteln wieder weg zusammen mit den gesamten Bastelutensilien was auch blöd ist.
So kommt es also wie es kommen muss, alles erscheint mir blöd. Sogar Tom finde ich gerade super blöd denn wir haben vor lauter langer weile nichts anderes mehr zu tun als uns anmuffen. Stetige Meinungsverschiedenheiten zudem uns langsam aber sicher die Gespräche ausgehen. Was für mich, ich wo ja stetig viele Worte benötige und einen regen Austausch liebe mehr mühe habe als er. Denn er braucht nicht wirklich viele Worte am Tag um seine Zufriedenheit ausleben zu können. Doch auch er scheint sichtlich unzufrieden mit der Gesamtsituation zu sein. Das stetige Motoren geht auch ihm auf die Nerven und er scheint sichtlich unzufrieden. Zudem er nichts anderes im Kopf hat als die Starkwinde die in wenigen Tagen uns so richtig in den Hintern treten werden. So ist es ihm um so wichtiger wenn auch unter Motorenlärm Meile für Meile hinter uns lassen zu können.  Auch da unterscheiden sich unsere Meinungen ein weiteres mal und sogar bei diesen Gesprächen nerven wir uns. Er findet mich blöd, ich finde ihn blöd die gesamte Situation ist blöd. 

So warten wir sehnlichst auf Winde die uns wieder eine Beschäftigung bringen uns unser Segler Leben vereinfachen und wir endlich wieder einen Samstag mit Abwechslung, rascheres voran kommen und weniger blöde Situationen haben.                 

…da nehme ich zwischendurch ein frisches Bad im immer kühler werdenden Atlantik.