Azoren zum Festland Portugal

Das wertvolle „Schüsseli“

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12.00 Uhr und wir verlassen die Marina von Delgada auf der Insel Sao Miguel. Obschon der Wind etwas zugenommen hat verläuft beim Ablegen alles einwandfrei. Natürlich erst nach dem grossen tschüss sagen von Seglerfreunden kann es losgehen. So auch das verabschieden mit Babette, denn Rune mit seinem Schiff Babette lernten wir schon in Bocca Chicca kennen, trafen ihn wieder auf Faial in Horta und nun parkierten wir definitiv das letzte mal neben seiner 32 Fuss Najad. Sein Weg führt nun weiter nach Norden über die Nordsee bis hinauf nach Bergen in Norwegen. Schade eigentlich denn mit Rune hatten wir doch einige Zeit verbracht und konnten viele Erfahrungen austauschen. 

Nachdem ich heute Morgen auch noch von Uli und Peer die Österreicher lieb gedrückt wurde und sie mir gesagt haben, wir sehen uns im Mittelmeer wieder so hat mein Herz doch höher geschlagen. Wir sind doch nicht die einzigen die den Weg ins Mittelmeer auf uns nehmen. Leider können die beiden mit ihrem Eigenbau Renke 49 Fuss Sao Miguel noch nicht verlassen und mit uns segeln, denn sie warten noch auf ein Teil ihrer Crew, die ihnen helfen soll sicher die letzte Passage des Atlantiks hinter sie zu bringen. Uli und ihr Mann Peer sind erfahrene Segler und haben diesen Abschnitt des Atlantik schon einige mal gemacht. Also konnten sie uns daher noch wertvolle Tipps mit auf den Weg geben. Als Peer dann zu mir noch meinte das Wetter könnte nicht besser sein als in der nächsten Woche tat mir das wirklich gut. Denn zu unkonstant war es in der letzten Zeit. Und trotzdem habe ich auch heute mein normales kribbeln im Bauch  wie ich es kenne beim ablegen und auslaufen wenn es in die Weite der See geht.

Der Motor der Magellan knattert nach wie vor gemütlich vor sich hin als wir 2 Seemeilen nach dem Hafen beschliessen die Segel zu setzen. 10 Knoten Wind, dies hinter der Inselabdeckung welche sich noch einige Stunden anhalten wird. Denn mit Fallböen, Winddrehern und Wind Zu- und Abnahme müssen wir noch einige Stunden rechnen. Und genau so wie wir es dachten war es dann auch. Die stetige Veränderung der Windstärke wegen der Fallböen und des wechselhaften Seeganges machen uns gerade mal einen Strich durch die Rechnung und nichts war mit gemütlichem los segeln. Zurück zur Realität und willkommen auf dem Atlantik das war die Devise. Auch von der Sonne ist nicht wirklich viel zu sehen dafür begleitet uns feiner Nieselregen bei unseren Ersten paar Seemeilen bis sich endlich etwas Sonnenschein durchzudringen vermag. Einige Fischerboote nehmen zusätzlich den Weg auf das offene Meer unter den Kiel. Ansonsten so scheint mir, sind wir alleine die auf eine weitere, weite Fahrt aufbrechen.
Das starke ziehen der Segel wegen der stetiger Fallböen bereitet mir heute besondere Mühe, was jedoch wahrscheinlich damit zu tun hat dass wir den letzten Monat nicht auf längerer Fahrt waren. Also versuche ich mich auf das wesentliche zu konzentrieren und nerve nicht den Käpten mit irgendwelchen Fragen über die Standfestigkeit unseres Rigge’s. Oder ob alle Borddurchgänge auch wirklich verschlossen sind. Stattdessen begebe ich mich um 16.00 Uhr in die Pantry um zu kochen. Doch auch diese Angelegenheit scheint mir heute nicht die einfachste und das Festhalten im Einklang mit dem Kochen ermüdet mich schnell. So dauert es eine ganze Stunde bis wir endlich essend im Cockpit sitzen. Wenigstens scheint mittlerweile die Sonne und erwärmt uns und unsere Gemüter. Doch die anhaltenden Fallböen machen auch das Essen zu einem Halt dich fest Spektakel und lassen die Magellan ganz schön hin und her schaukeln. Zum Glück, so meint Tom werden wir in einer Stunde von der Inselabdeckung weg sein, so werden die Winde konstanter und die ständigen Winddreher und Fallböen weg bleiben. Jedoch fügt er noch hinzu wird der Seegang und die Wellenhöhe dann bestimmt zu nehmen. In dem Fall muss vorher noch unbedingt die Pantry also die Bordküche fertig sein. Den Abwasch gemacht und alle Kästen gut verschlossen sein. Da unser Freibord (Bordwand) der Magellan nicht sehr hoch ist, habe ich jeweils gute Chancen in Schräglage und bei Seegang bis zum Wasser nach unten greifen zu können. Das nützen wir sehr oft um unser benutztes Geschirr vorzuspülen. So brauchen wir nicht zuviel von unserem kostbaren selber gemachten Wasser. Ruck zuck greife ich mir eines unserer super praktischen „Schüsseli“ und halte den Arm so weit es geht nach unten über Bord. Eine ganze Zeit lang dauert es bis sich eine Welle zu mir hoch drängt und mir blöderweise mit einem kräftigen Schlag die Schüssel zwischen den Fingern herausreisst. Dumm, wirklich dumm habe ich mich soeben angestellt, zudem ist es ja nicht das Erste mal wo ich diese Aktion tätige. Bestimmt schon 576 Mal wenn nicht noch mehr, halte ich etwas über Bord um den Gegenstand von der nächsten Welle abspülen zu lassen. Zudem wissen wir von der Gefahr dass uns etwas aus den Händen gerissen werden kann ganz genau, also ist aufpassen und gut festhalten das A und O  bei dieser Tätigkeit. Und doch ist es nun passiert und genau unsere praktische Essschüssel von der wir gerade mal nur zwei Stück an Bord der Magellan haben. Tom der selbstverständlich durch mein Fluchen alles mitbekommen hat stellt sich sofort an die Pinne, wendet das Schiff und fährt ein „Mann über Bord“ Manöver. Ich versuche krampfhaft meinen Blick nicht von der Schüssel abzuwenden. Denn ein mal nicht hinschauen so findet man den richtigen Ort des verloren gegangenen Gegenstandes nicht mehr wieder, so auch zu Menschen die über Bord gegangen sind. Darum ist ein stetiger Blick zum Gegenstand oder zur Person im Wasser unabdingbar und wichtig. Tom steuert das Schiff an der Pinne und ich weise ihm den Weg. Zusätzlich muss ein mal mehr die Angelrute eingezogen werden, sonst überfahren wir unsere eigene Angelschnur und bekommen so den Silch in die Schraube unseres Motors. Da bei einem „Mann über Bord Manöver“ eine 8 ins Wasser gefahren werden muss und das Schiff schlussendlich an der Luvseite des Gegenstandes oder die verlorengegangene Person anzufahren hat. Glücklicherweise schwimmt die Schüssel nach wie vor doch sie droht langsam unterzugehen, da jede Welle etwas Wasser hinein schüttet, also schmeiss ich mich aus den Kleidern und springe mit einem Sprung Kopfüber unserer so „Wertvollen“ Essschüssel nach. Natürlich mit dem Wissen das Tom mich und die Schüssel retten wird, die Badeleiter im rechten Augenblick herunter lässt so das wir gemeinsam ins Cockpit zurück steigen können. War wirklich eine gute Aktion, nicht lange überlegen und herum diskutieren nein wir haben ein weiteres mal ruck zuck gehandelt. Denn egal ob ein Bolzenbruch im Mast ansteht oder eine Schüssel baden geht…es muss gehandelt werden. Zu weit weg ist der nächste Supermarkt um einfach etwas neues kaufen zu können. Zudem sind unsere Sachen gerade was die Küchenausstattung angeht so gute Anschaffungen und sogar Eigenkonstruktionen die man nicht einfach ab der Stange bekommt. Zu solchen Sachen geben wir besonders viel Acht. Zudem war ich endlich ein mal wieder Baden im Atlantik, denn das ist ja nun auch schon eine ganze Weile her. 

…gerade mal noch gerettet…mein wertvolles Schüsseli!!!