Dominikanische Republik

Das Claudia-Sandwich

Das wir hier auf einer einzigartigen Insel sind wissen wir mittlerweile. Situationen die wir täglich erleben, Dinge die wir sehen, da kommen wir oft zum Staunen nicht heraus. Neben dem vielen Müll ist der Strassenverkehr das nächste Übel. Autos, welche eher wie alte zerbeulte, verrostete Blechdosen aussehen statt wie fahrtaugliche Autos. Funktionierende Abblendlichter, Stopplichter wie auch Blinker scheinen hier nicht Vorschriftsgemäss funktionieren zu müssen. Von Bremslichter gar nicht zu sprechen. Die Aussage, in der Dominikanischen Republik Ist alles erlaubt, da gibt es keine Gesetze scheint zu stimmen. Denn wenn gar kein Licht mehr funktioniert an meinem Fahrzeug so tut es auch eine Taschenlampe. Solche Fahrzeuge sind nicht nur Tagsüber sondern auch in der Nacht in massen anzutreffen. 
Gesetze gibt es natürlich auch in der Dominikanischen Republik. So scheint mir: die Gesetze sind da um sie zu umgehen. Genau dass wird gelebt und so lange nichts passiert ist alles gut. Ob bei einem ein Auto schwarzer oder grauer Russ aus dem Auspuff kommt egal. So lange es noch fährt ist alles gut. Abgasgesetze gibt es wohl nicht. Wie abgefahren die Pneus der Fahrzeuge sind scheint hier keinen zu interessieren. Und ist eine Autoscheibe nicht mehr vorhanden so spielt auch dass keine Rolle, ein Tuch in die Tür einklemmen genügt auch. Das ersetzt jede Scheibe. Einen Plastik anzukleben geht nicht. Erstens ist das Material zu teuer. Zweitens macht die Sonne Plastik im nu spröde. Also ist die Lösung mit einem Tuch die Ideallösung. Beim abbiegen oder hinausschauen muss einfach das Tuch aus dem Blickfeld gehalten werden. Schnell Tuch hoch und wieder herunter. Dass und ähnliche Sachen haben wir im Strassenverkehr in Santo Domingo Stadt des öfteren gesehen. Nicht wichtig ist der Zustand des Fahrzeuges. Das einzig wichtige scheint hier die Hupe zu sein. Die muss definitiv funktionieren und wird häufiger als die Bremse eingesetzt. Der Strassenverkehr auf der Dominikanischen Republik ist definitiv sehr speziell. Ob eine Fahrprüfung gemacht werden muss weiss ich nicht. Definitiv klar für uns ist aber, hier gibt es kaum Gesetze im Strassenverkehr. Ob links oder rechts überholen auf der Autobahn. Keiner hat einen Plan. Auf der linker Spur fahren ist jedoch definitiv sicherer. Denn auf der rechten Spur fahren jeweils noch die Mofas. Die auch mit einer Geschwindigkeit von bis zu 100 kmh unterwegs sind. Doch die fahren jeweils in beide Richtungen. Kreuzen sich auf einer doch sehr schmalen Seitenspur. Normalerweise sitzen die nicht alleine auf ihren unbeleuchteten Motorrädern Die meist in Kubikzahlen von 125 unterwegs sind. Bis fünf Personen sitzen hintereinander und Helm tragen ist eine Seltenheit. Wenn es also einen Unfall gibt dann endet der normalerweise tödlich. Die vielen Löcher in den Strassen machen das Fahren nicht einfacher. Zudem Strassenbeleuchtung gibt es hier nicht und da die Menschen sehr dunkelhäutig sind sind sie auf den Strassen kaum zu sehen. Und auf den Strassen hat es ständig und überall Menschen. Sogar auf den Autobahnen. Die werden zu Fuss überquert und sogar als Fussweg genutzt. Der Staat Dominikanisch Republik hat es doch tatsächlich geschafft, die Autobahn mitten durch einige Dörfer zu bauen. Nicht quer durch die grossen Plantagen vom Zuckerrohr. Nein, stattdessen haben sie die alte Strasse welche der Küste entlang von Dorf zu Dorf führt ausgebaut und einig Dörfer somit getrennt. Was jedoch für die Insulaner nicht weiter ein Problem zu sein scheint. Denn ein Teil ihrer Zeit wird nun auf und an der grossen Strasse gelebt. So heisst es doppelt so viel Konzentration beim Autofahren an den Tag legen. 
Das fahren auf den Strassen macht mir grundsätzlich Spass. Und damit wir auch etwas vom Land sehen haben wir für eine Woche ein Auto gemietet. Zudem ist Jessica meine Tochter, bei uns auf der Magellan, zu besuch. So sind wir nun zu dritt unterwegs auf Erkundungstour der Insel. Der erste Tag unseres Ausfluges brachte uns gerade ein mal um die Hauptstadt Santo Domingo. Dann quer hindurch bis wir zuletzt wieder an der Beach ankamen, die nur noch 20 Kilometer von unserer Marina entfernt ist. Also so sind wir am Abend zurück und haben wieder auf der Magellan geschlafen. Dass die Strassen so schlecht beschildert sind haben wir uns nicht gedacht. Also sind wir am nächsten Tag mit herunter geladener Strassenkarte von Google maps ein zweites mal los gefahren. Das Chaos auf den Strassen, welches wir in der Hauptstadt erlebt haben war einmalig. Mitzuerleben wie aus zweispurigen Strassen Vierspurige gemacht werden. Wie gross die Huperei wird wenn ein LKW von ganz rechts nach ganz links muss und im selben Moment ein Bus von ganz links nach ganz rechts will. Nicht zu vergessen wir stehen immer noch in vierer Reihe wo doch die Strasse nur zwei Spuren hätte. Nicht zu vergessen die vielen Mofas und Klein Motorräder die sich kreuz und quer durch das Autochaos drängeln. Die Abgase stinken die Hitze ist drückend und die Huperei der vielen tausend Fahrzeuge fast unerträglich. Bei jedem Rotlicht strömen Menschen zu den haltenden Autos. Die einen wollen irgend was verkaufen und die anderen zeigen einem wie schlecht es ihnen geht anhand von körperlichen Handicupen. Und dann gibt es da noch die Autoscheiben putz Jungs. Und wenn wir als „Touristen“ am Rotlicht stehen dann haben wir von jeder Sorte minimum einen bei uns am Fenster stehen. Und egal ob meine Scheibe schon beim vorherigen Rotlicht geputzt wurde, sie wird wieder geputzt. Egal wie fest wir, Jessica und ich im Auto drin abwinken und sagen nein Danke. Bitte nicht putzen…unsere Scheiben werden geputzt, und natürlich jedes mal wird nach Geld gefragt.
Also fahren wir am zweiten Tag, via Google maps Richtung Norden der Insel. Richtung Berge soll die Fahrt gehen. Die Natur soll ja wunderbar sein im Landesinnern. Also wollen wir uns diesen Teil der Insel ansehen. Kann ja nicht sein das die gesamte Insel so „versifft“ und zugemüllt ist wie das was wir bis jetzt angetroffen haben, hier in der Dominikanischen Republik. Also ist unsere Neugierde gross und die Vorfreude endlich einmal etwas anderes zu sehen riesig. Zudem unser Ziel, sogleich unser Schlafplatz in Santa Barbara de Samana sein sollte. In Samana wo der Sandstrand ein mal mehr weiss und fein angepriesen wird soll die Werbung von „Baccardi feeling“ gedreht worden sein. Ein Ort den man sich anscheinend nicht entgehen lassen darf. Also geht unsere Fahrt zuerst ins Innland um dann von da aus Richtung Osten auf die Halbinsel Samana zu gelangen. Der Tag, ja die ganze Fahrt gestaltet sich interessant. Die Strassen wurden immer kleiner und auch immer kaputter. Löcher so gross das es unmöglich wird darüber zu fahren und daher öfters grosse Ausweiche Manöver notwendig sind. Strassen die fast nur noch zerlöchert und kaputt sind und trotzdem noch rege befahren werden. Da waren selbst wir froh, als wir nähe der Stadt Nagua endlich wieder ein bisschen zurück in der Zivilisation sind. Die Strassen wieder etwas fahrtauglicher sind und wir wieder etwas schneller voran kommen. Die Bergregion war schön und doch sind wir alle drei erleichtert zurück auf den „normalen“ Strassen zu sein. Nicht das uns die Natur oben in den Bergregionen nicht gefallen hat. Es war wirklich schön. Abgesehen von den vielen grossen Plantagen. Ananas, Bananen, Kakao, Kokospalmen und Reisplantagen bis hoch hinauf. Dazwischen immer wieder hübsche Dörfer und viele Insulaner die sogar mit Maultieren oder Pferden unterwegs sind. Sauber ist es auch in den Bergen nicht. Immer wenn ein Dorf kommt bemerken wir das schon einen Kilometer bevor das Dorf beginnt. Der Müll, die Plastikspuren und Petflaschen lassen jeweilen sofort erkennen wann das nächste Dorf erscheint. Nur zwischen den Dörfern scheint die Welt noch in Ordnung.

Der Coiffeur…
…der Zahnarzt…
…die Feuerwehr…
…und Fahrzeug!!!

20 Kilometer und wir sehen wieder Meer. Nur noch 20 Kilometer und wir werden uns in einem Hotelzimmer einrichten können und uns eine frische Dusche gönnen. 20 Kilometer und unser Tagesziel ist erreicht. Und 20 Kilometer scheint uns nun wirklich nicht mehr weit. Dazu kommt eine gute Strasse und wir werden noch bei Tageslicht Santa Barbara de Samana erreichen. Es scheint also alles zu passen und zu stimmen. Wäre da nicht dieser Regen, der seit 10 Minuten wie verrückt vom Himmel prasst. Unglaublich in welchen Mengen der Regen da in der Karibik vom Himmel fallen kann. Der Verkehr auf der Strasse hat sich grundsätzlich etwas verlangsamt und wer hat, fährt mit eingeschaltetem Licht. Ich auch…zudem habe ich mit Jessica einen super Co- Pilot die ihre Augen seit zwei Tagen mit mir auf der Strasse hat und mir gut hilft mit zu schauen. Gerade dann, wenn es sehr eng wird ist das doch sehr hilfreich. So wie es in der Hauptstadt in Santo Domingo öfters mal eng wurde. Gerade wenn aus zwei— vier Spuren gemacht werden.
Der Regen lässt allmählich etwas nach und auch die Sicht und die Verhältnisse auf der Strasse werden besser. Ein LKW der Marke gross hält mitten auf der Schnellstrasse, wo wir nun seit einer geraumer Zeit fahren, vor uns an. Der Pick-Up vor uns tut das gleiche und ich auch. Wir stehen also zu dritt auf der Strasse, ich schaue gerade noch in den Rückspiegel und konnte nur noch Acht….und schon raste der hinter uns fahrende Kleintransporter, ungebremst in uns hinein. Schob uns mit voller Wucht in den vor uns stehenden Pick-Up. Es knallt hinten es knallt vorne und ich komme mir vor wie ein Claudia-Sandwich. Der Aufprall war so heftig und wir klebten so nahe am vorderen Auto, so dass ich das Gefühl hatte bei denen im Wagen drin zu sein. Der Knall und der erste Schock war relativ schnell vorbei. Wir drei waren so weit o.k. Doch keiner der anderen Beteiligten Personen stieg aus den jeweiligen Autos aus. Die Situation war komisch, die Strasse erschien mir plötzlich ruhig. Der Regen hat wieder etwas mehr zugenommen, so auf jeden Fall war mein empfinden. Ich als „Claudia-Sandwich“ stieg also als erste aus meinem Auto aus und machte mich mal in Richtung andere Geschädigte auf den Weg.

Unser Kia…
…Scheibe hinten flog raus…
…der Unfallverursacher…
…und die lange Gerade Strecke, vorne der Pick-Up, in den wir hinein geschoben wurden.

Und über die weiteren Stunden an diesem Abend gibt es Morgen zu lesen.