Portugal

Auf und davon, weg von Portugal.

Es reicht nun…wir wollen weiter, weg von Lagos. Obwohl die Wetterverhältnisse nicht die besten sind brechen wir auf. Die drei Tage hier in Portugal reichen uns absolut aus. Natürlich haben wir nicht wirklich viel von Portugal gesehen aber dafür von den Azoren und die sind ja auch portugiesisch. Da erscheint es mir nicht wirklich schwierig dieses Land zu verlassen und Richtung Spanien aufzubrechen. Obschon wir nicht wirklich weit kommen werden, da der Wind von Ost immer stärker zunehmen wird. Doch mit etwas Glück und wenn wir Neptun auf unserer Seite haben schaffen wir es bestimmt bis nach Rota, wo es sehr schön sein soll und hoffentlich nicht so sehr von Touristen überlaufen. Also haben wir die Magellan abermals seetauglich eingeräumt und alles gut verstaut. Diesel aufgefüllt und Essen gebunkert so wie es sich gehört wenn eine Fahrt auf das offene Meer ansteht. Die Prozedur der Abmeldung ist erstaunlich schnell von statten gegangen, so dass wir nun wirklich spürbar merken wir sind zurück in Europa.

Auf und davon…die offene See wartet auf uns.

So wird morgens um 10.00 Uhr die Zugbrücke für uns geöffnet und die Magellan fährt ein weiteres mal stolz und sicher, so wie die grossen Schiffe hindurch. Unsere Schweizer Fahne flattert schön hinten am Heck und ich bin sichtlich gerührt als ich von der Strasse die dem Kanal entlang führt ein „hopp Schwiiz“ höre. Eine Familie mit zwei Kindern winkt mir eifrig zu und ich natürlich freudig und mit zwei Händen zurück. Dabei rufe ich ihnen lauthals entgegen…wir sehen uns in der Schweiz und ein lachen kommt über mein Gesicht.  
127 Seemeilen Fahrt liegt vor uns bis wir in Rota sein werden, welches gerade nur wenige Kilometer nördlich von Cadiz entfernt liegt. 127 Seemeilen wo wir mit diversen Wetterveränderungen zu rechnen haben so sagen es uns die Prognosen voraus. Jedoch liegt die höchste Windgeschwindigkeit bei 15 Knoten was noch gut zu segeln ist. Was uns mehr Kummer bereitet ist die Windrichtung, denn die soll sich stetig verändern. Von Nordwest bis Nordost soll sie stetig drehen, wir werden also sehen was uns erwartet. Natürlich fehlt auch mein flaues Gefühl im Magen nicht. Der stetiger Begleiter beim Auslaufen ist natürlich auch heute mit mir dabei. Doch mittlerweile weiss ich von vielen anderen Seglern das dieses Gefühl etwas ganz normales ist und das ganz viele andere genau dieses Gefühl im Magen auch bei jedem Auslaufen bei sich haben. Gut zu wissen, ich bin da nicht alleine und erfreu mich immer wenn mir ein Segler bestätigt  das es ihm genau gleich geht. Glücklicherweise hält das flaue, nervöse Getue in der Magengegend nur so lange an bis ich arbeiten muss. Arbeiten auf einem Segelschiff ist trotz immer Samstage zu leben ein stetiges Thema. Also ist heute gleich nach dem Verlassen des Kanals arbeiten auch wieder angesagt. Denn kaum sind wir eine Meile weit draussen setzten wir die Segel. Der Seegang ist so angenehm wie selten zuvor und die Winde sind nur leicht, was mir zum Start auf die nächste Etappe gerade entgegen kommt. So nehmen wir Kurs 130 Grad da wir noch um ein kleines Kap segeln müssen, lassen dann den Autopiloten fahren und dann wird erst einmal ein kräftiges Frühstück zu uns genommen. So eines mit allem drum und dran, von Spiegeleier  bis hin zu Nutella. Gestärkt geht es nun in den Tag und wir merken sofort wie sehr befahren diese Gegend ist. Dutzende von Fischerbooten sichten wir und zusätzlich müssen wir ständig gesetzten Fischernetzen ausweichen. Denn ein Netz in der Schraube brauchen wir keines Falles. Auch holen wir unseren eigenen Köder, der sich selbstverständlich in unserem Kielwasser  hinter uns her ziehen lässt schnell wieder herein, denn auch der ist in Gefahr an einem von Fischern gesetztem Netz sich zu verfangen. Da hilft dann nur noch ein durchtrennen des Silches, also verzichten wir auf das fischen im Wissen dass wir natürlich heute kein Fisch zum essen haben werden. Egal, denn möglichst stressfrei wollen wir so schnell als möglich viele Seemeilen hinter uns bringen. Stressfrei war eigentlich unser Ziel…doch dann ist es doch anders gekommen. Die ganze Nacht haben wir Aktion! Fischer, Fischer und noch ein mal Fischer. Ausweichmanöver zum abwinken eines folgt dem andern. Die meisten der kleineren Fischerboote besitzen kein AIS System mit dem wir andere Schiffe auf unserem Plotter ausmachen können. Also ist es ein muss mit dem Radargerät die Boote ausfindig zu machen. Diese dann anpeilen um nach ein paar Minuten eine weitere Peilung via Radar vorzunehmen um damit festzustellen ob wir das angepeilte Fischerboot nach wie vor auf Kurs haben oder nicht. Zusätzlich gehört das stetige Ausschau halten mit dem Fernglas mit dazu. So verbringen Tom und ich abwechslungsweise die Fahrt durch die Nacht, welche mir wirklich lange vorkommt. Oftmals sind die Boote nur schwach mit Licht ausgestattet und daher auch mit dem Fernglas nur schlecht zu sehen. Da scheint es mir sogar einfacher eine Schwerschiffs Verkehrstrasse zu passieren, da wird uns wenigstens jedes Schiff genau auf dem Plotter angezeigt. Doch das was wir heute erleben ist wirklich nicht lustig, zumal wir mit 5 Knoten Fahrt daher kommen. So ist dies eine weitere sehr anstrengende Nacht wo ich bis in die frühen Morgenstunden keinen Schlaf finde. Und als ich endlich eingeschlafen bin holt mich der Käpten schon wieder zu meiner nächsten Wachablösung aus den Federn, so scheint es mir auf jeden Fall. Zudem kommt noch eine fast Kollision als ich morgens schon bei Dämmerungslicht auf Kurs mit einem Fischerboot gerade noch im letzten Augenblick das Vorsegel einziehen kann um dann 90 Grad abzufallen. Dieser Idiot von Fischer hätte ja auch etwas den Kurs angleichen können, so wären wir sorglos aneinander vorbei gekommen. Ich bin nämlich schon vor 10 Minuten das erste mal 20 Grad  abgefallen, dann noch ein mal zusätzliche 10 Grad kurz danach im Glauben das auch er den Kurs zu unseren gemeinsamen Gunsten ändern wird. Stattdessen hält er, kaum verändere ich meinen Kurs erneut auf mich zu. Ich glaube meinen Augen nicht zu trauen, und will schon den Käpten zur Hilfe rufen der friedlich am schlafen ist. Doch für das habe ich nun keine Zeit mehr, denn wir fahren geradewegs aufeinander zu. Mir bleibt nur noch mit einem Rupf das Vorsegel einzuholen und die Pinne herumzureissen so dass meinen Kurs um 90 Grad von ihm abfällt und schon motort er  neben uns vorbei. Ich weiss nicht was ich dem sturen Typen alles ausgeteilt habe, jedoch selber bin ich erschrocken über mein Gerufe und meine bösen Worte. Zudem habe ich ihm meinen Mittelfinger gezeigt, was ich sonst auch nicht mehr mache. Da hat der Typ doch tatsächlich das Gefühl die See gehöre ihm. Zudem ich als Segelschiff die klare Vorfahrt habe. Tom ist durch meine wirklich nicht schöne Wortwahl aufgewacht und wundert sich darüber was ich für einen Kurs fahre, denn 190 Grad führt uns keines Falls nach Spanien. Doch als er das Fischerboot sieht, das nach wie vor noch nahe bei uns ist erkennt er die Situation. Uff… diesmal nicht ein Wal sondern ein Fischer doch das zweite Mal in kürzester Zeit ein Manöver des letzten Augenblicks. Nicht wirklich lustig solche Momente und mit diesem Gedanken übergebe ich die Wache und das weitersegeln dem Käpten. Ich lege mich in mein Bett und schlafe erstaunlicherweise auf Anhieb ein.
Wie schön das Gefühl ist als ich aufstehe und wir unmittelbar vor der Hafeneinfahrt von Rota stehen kann ich gar nicht mehr beschreiben, jedoch wirklich wunderbar!!!

Das Wetter spielt verrückt, darum geht unsere Fahrt nicht direkt in den Kanal von Gibraltar sondern nur bis nach Rota wo wir ein weiteres mal Abwettern und darauf warten bis sich die Wetterlage verändert.

Einklarieren ist hier anscheinend auch nur eine Formsache und so stehen wir schon 15 Minuten später an unserem Platz in der Marina fest verzurrt und es geht ans ausruhen einer weiteren sehr strengen Etappe. Der Samstag den wir heute leben mussten wir uns wortwörtlich verdienen.