Dominikanische Republik

20 Jahre zu spät…

….ja genau so fühle ich mich hier in der Dominikanischen Republik. Minimum 20 Jahre zu spät! Wahrscheinlich muss es hier einst überall wunderschön gewesen sein. Vor dem Einzug von Plastik-, Pet- und Styropor Artikel. Vor dem Zeitalter der grossen Musikboxen. Damals als die Klänge der Strassenmusiker noch wichtig war. Rituale und Musik aus Zeiten der Vorfahren. Welche mit Lieder und Gesang Geschichten überbringen. Vorbei sind die Zeiten der Idylle an den schönen Stränden. Massenabfertigung in den grossen Hotelkomplexen. „All inklusive“ ist im Trend und gezeigt werden einem dann nur die gesäuberten Strände. Eine Vortäuschung falscher Tatsachen dabei versinkt die Insel im Schmutz der heutigen Zivilisation. Das rege Treiben, das hektische Leben auf der Strasse zeigt nichts von gemütlicher Karibikstimmung. Laut sind die Motoren der Fahrräder, stinkend die der Autos und die LKW’s fallen oft aus den Chassis. Wenn ich also einen LKW der Sorte (ohne Kühlerhaube) sehe erstaunt mich dass keines Falls mehr. So sind auch allerhand Wassersport Fahrzeuge erlaubt und die machen meist auch noch einen zusätzlichen Lärm. Ja ja, die Tage der gemütlicher Karibikstimmung sind definitiv vorbei. So sind wir zum Beispiel in Boca Chica am Strand. Die Musik dröhnt ein weiteres mal aus diversen Lautsprechern um uns herum. Natürlich scheppert aus jeder Musikboxe ein anderes Lied. Tom und ich sitzen in einem Strandrestaurant und haben soeben unser Mittagessen genossen. Natürlich haben wir uns eine Ecke ausgesucht wo es einigermassen erträglich ist. Ich meine dass mit der Lautstärke. Einen Tisch direkt am Strand wo es doch noch möglich ist sich zu unterhalten. Ein Ort wo die Boxen nicht direkt in’s Ohr dröhnen. Jedoch auch mit grossem Abstand zu den Musikboxen lässt sich das Mittagessen nur mit lautem Ramba Zamba geniessen. Wahnsinn das so etwas überhaupt erlaubt ist. Immer wieder hinterfrage ich mich ob es wohl schon mein alter ist das mir die Lautstärke so laut und unerträglich erscheinen lässt. Denn eigentlich liebe ich Musik, fast egal welche Richtung. Musik ist ein wichtiger Bestandteil in meinem Leben. Musik, Bewegung, Rhythmus…welch schöne Elemente. Doch hier wird es selbst für mich ein Übel, dem ich nicht einmal entfliehen kann. Überall verfolgen uns die Dimensionen der Lautstärken. Musikboxen, Autos, Mofas und noch vieles mehr. Doch an die Lautstärke die aus den Boxen kommt kann ich mich nicht gewöhnen. Deshalb ist es schon fast ein muss immer schön Abstand zu den lauten Ungetümen zu haben. So auf jeden Fall lautet unsere Devise. 
So ist unser heutiges Mittagessen an einem Tisch der weit weg von den Musikbox des ausgewählten Strandrestaurants steht. Doch auch mit 50 Meter Abstand zu den Boxen ist es kaum zu ertragen. Zudem ja das Meer und die vielen Menschen eine weitere Geräuschkulisse abgeben. Der Strand hier in Boca Chica ist ein beliebtes Urlaubsziel und daher sehr belebt. Es macht grundsätzlich Spass dem wilden treiben zuzusehen. Diverse Mentalitäten die sich hier treffen und mit den Insulanern mischen. Alt mit ung, weiss mit schwarz. Des öfteren komme ich zum staunen nicht heraus. Auch für Tom ist so etwas Neuland und definitiv zu extrem. Das Essen schmeckt gut in unserem ausgewählten BeachRestaurant. Unser Tisch, welcher „pool position“ Richtung Beach Leben steht, bietet den perfekten Ausblick. Ein weiteres mal kommen wir zum Staunen nicht heraus. Immer wenn wir das Gefühl haben wir hätten nun das Extreme gesehen, kommt noch einmal etwas obendrauf. Wie nun im Beachrestaurant. Da sehen wir nämlich zum ersten mal endlich fünf Musikanten den Strand entlangkommen. Auf der Suche nach einem Paar, welches sie mit ihren Musikklängen noch näher in’s „Paradies“ manövrieren möchten. Doch bei solch lauten klängen aus diversen Musikboxen ist es für die fünf Musikanten eine schier unlösbare Aufgabe. Denn die können so fest und laut spielen wie nur möglich, zu hören werden sie trotzdem nicht sein. So zumindest waren meine Gedanken als ich sie kommen sah. Doch ich habe mich getäuscht. Stolz und vollen Mutes stellen die sich mitten ins Restaurant, zwischen all die lauten Musikboxen. An einem Tisch wo sich ein ausländisches Ehepaar gerade daran macht, seinen Cocktail zu geniessen, und fangen an zu spielen. Wir glauben unseren Augen nicht zu trauen. Kein Ton ist von ihnen zu hören aber die fünf lassen sich nicht vom musizieren abbringen. Stolz und mit dem Rhythmus aus den Hüften bewegen sie sich zu ihren Klängen. So ist auch für uns erkennbar, die schwingen und bewegen sich nicht nach dem Tackt der aus den Musikboxen scheppert, sondern die bewegen sich nach ihrem gespielten Musikrhythmus. 
Ja wir sind definitiv 20 Jahre zu spät auf der Dominikanischen Republik angekommen. Plastik, Autos und lautes Gedröhne hat Einzug genommen. Sogar die Strassenmusikanten haben hier keinen Platz mehr um ihre eigene Existenz zu sichern. Die Müllabfuhr funktioniert nicht und die Ressourcen unserer Erde werden schamlos ausgenutzt.

Plastikmüll so weit das Auge reicht. Im Hintergrund unsere Marina.
Dem Strand entlang Richtung Boca Chica.
Und immer wieder wird der Plastikmüll angezündet. So viel zum Thema Pet, Plastik und Müllabfuhr.

Moderne Zivilisation wurde hier her gebracht, in kürzester Zeit. Leider nur der Teil unsere modernen Zivilisation die mit Konsum zutun hat. Nicht etwa Kläranlagen oder Müllverbrennungsanlagen. Keine Strassengesetze oder oder sonstige Bestimmungen, wie Sicherheit oder was ist wertvoll. Nichts von all dem was ein Leben lebenswerter macht ist hier angekommen. Nur Konsum und möglichst viel moderner schnick schnack. So gibt es auch nur noch synthetische Kleider welche auch aus Plastik hergestellt werden. Sogar die Zeiten der Baumwolle, die angenehm zu tragen sind bei solch hohen Temperaturen sind vorbei. Die Tatsache das hier in der Dom. Rep. fast alles erlaubt ist bringt die Insel in ihr eigenes Elend. So erscheint es uns andauernd. Die Freundlichkeit der Menschen scheint mir oft nur ein Eigennutzen für sich selbst zu sein. Schade, wirklich schade wie „kaputt“ und schmutzig viele Regionen hier scheinen. Rum als nationales Inselgetränk erleichtert die Sache gerade bei Menschen die nichts besitzen auf keinen Fall. So gibt es dann auch einige Ecken, Stassen und Strandabschnitte die wir als Touristen ab 18.00 Uhr nicht mehr betreten sollen.

An den Stränden aufgestellte Tafeln.

Zu gefährlich wird es dann wenn die Dunkelheit einzieht. Nicht weil die Menschen von Grund auf gefährlich sind. Nein, viel eher weil sie zu viel Alkohol konsumieren und so die Hemmungen genommen werden. Rum gehört oft schon in den ersten Morgenstunden zum Alltag. Vielleicht verhilft es ja über das grosse Elend hinweg zu schauen. Was definitiv nicht die Lösung ist. Rum macht mutig egal in welchen Situationen. Vor allem aber auch auf den Strassen. Denn auch im Strassenverkehr ist alles erlaubt…auch Rum. So gab es zum Beispiel über die Ostertage 34 Verkehrstote auf der Dominikanischen Republik. 
Dieses System, hier ist alles erlaubt bringt die Insel nicht wirklich weiter. Schade, wirklich schade. Da gibt es Menschen die haben nichts und leben heute im Schmutz und im Abfall der modernen Zivilisation. Alles wird in Plastik verkauft jedoch für die Abfuhr wird nicht gesorgt. Alle wollen was vom Kuchen haben jedoch den Teig rühren mag keiner. So sind wir wirklich 20 Jahre zu späht hier. Die gemütlichen Zeiten, das naturnahe Leben am Strand bedeutet heute…Müllhalde an Müllhalde die sich aufstapeln.

Dabei könnte es so schön sein!!!