Azoren zum Festland Portugal

10’000 nautische Meilen

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Heute um 7.15 Uhr hat mich Tom geweckt denn ein grosser Moment stand an. Erstaunlich über welche Sachen man sich auf offener See erfreuen kann. Wir werden in wenigen Minuten die 10’000 Seemeilen Grenze erreichen und das wollen wir gemeinsam erleben. Noch müde und kaum fähig meine Augen wirklich offen zu halten krieche ich also unter meiner Decke hervor. Draussen im Cockpit ist es noch sehr kalt und die dicke Wolkendecke um uns herum scheint sich nicht aufheben zu wollen. Nach wie vor ist es ungemütlich um uns herum und immer noch sind wir damit beschäftigt die Segel stetig neu zu trimmen um die wenigen Winde möglichst effektiv nutzen zu können. Seit 2 Tagen geht das nun so und ich finde es wirklich ermüdend alle 10 Minuten die Tücher neu einzustellen. Der wenige Wind weiss nicht woher er kommen soll und ändert sich stetig. So dreht er nach wie vor von Nordwest bis Nordost. Glücklicherweise hat der Seegang massiv abgenommen so nehmen uns die Wellen wenigstens nicht stetig die wenige Fahrt aus der Magellan, denn unser Ziel ist es mit minimum 4 Knoten Fahrt über Grund Richtung Ost zu kommen. Bei Windstärken die bis zu 6 Knoten herunterfallen dazu kommt alle paar Stunden die Strömung die nicht wirklich mit uns arbeitet ist das eine grosse Herausforderung. Da kommt uns einmal mehr entgegen kein grösseres, sprich schwereres Schiff zu haben, denn mit noch mehr Gewicht wäre nun ein Vorwärtskommen eine unmögliche Sache. Und das wir noch in eine Flaute von bestimmt 2 Tagen hineinfahren werden wissen wir durch die heruntergeladenen Wetterprognosen. Daher ist es um so wichtiger noch jeden auch nur kleinsten Windstoss zu nutzen. Dazu kommt meine Hoffnung das sich vielleicht wenn dann die Flaute endlich kommt sich auch der mit dicken Wolken bedeckte Himmel endlich auflockert und wir in der Nacht den Mond zu sehen und Tagsüber die wärme der Sonne endlich zu spüren bekommen. Doch nun geht es nach wie vor mit einem Schnitt von 4,5 Knoten Fahrt über Grund noch ohne Motorgeräusche und Dieselverbrauch stetig vorwärts.

9999.9 Seemeilen hat die Magellan im Kielwasser bis jetzt zurückgelegt und gespannt warten wir bis die 10’000 Seemeilen angezeigt werden…

9999 NM steht auf unserem Plotter und wir können es kaum abwarten bis sich die Zahl auf 10’000 NM stellt. Da eine Seemeile nicht nur 1000 Meter, sondern 1852 Meter also fast 2 Kilometer Distanz sind erscheint die magische Zahl unserer abgesegelten Distanz noch viel weiter. Zudem wir stetig versuchen nicht unter Motor zu fahren, sondern immer wenn auch nur irgend wie möglich unsere zurückgelegte Strecke zu segeln. Wir wollen ja nach wie vor zu den Seglern zählen und nicht zu denen die bei wenig Wind sofort den Motor starten, denn von denen gibt es genug. Da haben wir einige kennengelernt die nicht untern 5 Knoten Fahrt durchs Wasser unterwegs sein möchten und wenn doch wird sofort der Motor starten. Nein, nein so funktioniert unsere Einstellung nicht also versuchen wir auch nur den kleinsten Hauch von Wind zu nutzen. 

…direkt aus dem Bett doch die Freude ist gross…
…als es endlich so weit ist…
10’000 Seemeilen sind erreicht!!!

Endlich ist es so weit, und die magische Zahl 10’000 nautische Meilen ist zu sehen. Kaum zu glauben und unsere Freude ist riesen gross. Was haben wir nicht alles für spannende Augenblicke in der hinter uns abgesegelten Distanz erlebt. Unglaublich weite Strecken über Tage auf dem offenen Meer zurückgelegt. Seegang und Wellen die uns immer wieder das Leben schwer machten und der Wind der wie es alle Langfahrtensegler kennen meist nicht stimmt. Denn entweder ist zu viel Welle und Wind im Gange oder die Richtung des Seeganges oder des Windes stimmen nicht. Zudem kommt die Strömung die meist auch gegen und nur zu selten für einem arbeitet und davon können alle Langfahrten Segler einige Geschichten berichten. Das Material am Schiff das endlose Kräfte über sich ergehen lassen muss und daher immer wieder repariert, ausgetauscht und geflickt werden muss. Aussenborder vom Dinghy ist ein weiteres Thema mit dem sich jeder Segler auseinander setzten muss, denn durch den verschmutzten Vergaser haben doch fast alle Segler irgend wann ein Problem mit dem Dinghy Motor. Und noch übler ist es wenn der Hauptmotor am Schiff nach einer längeren Fahrt nicht anspringt und zwar genau dann wenn man in den sicheren Hafen einfahren will. Diese und ähnliche Geschichten haben wir auch zu genüge gehört. Das Gute dabei ist, wir konnten zusammen mit anderen Seglern bei solchen Erzählungen  immer herzhaft lachen, da die Situationen längst geschehene Erlebnisse waren. Doch in den Momenten wo einem das Schicksal so richtig fest spüren lässt was es heisst Segler zu sein wird nicht gelacht. So hat also jeder Segler seine Storry’s und Geschichten auf Lager und genau das macht es aus wenn man als Langfahrtensegler mit Gleichgesinnten zusammen sitzt und über seine Erlebnisse berichten und lachen kann. Und Erlebnisse gibt es bei abgesegelten 10’000 Seemeilen viele. Es ist eine anstrengende und spannende Sache und einmal mehr geht mir die Weisheit; segeln ist wahrscheinlich die unbequemste und teuerste Art und Weise um die Welt zu kommen durch den Kopf. Wie passend doch diese Aussage ist…und nun lege ich mich noch einmal in mein noch warmes Bett zurück und versuche trotz schaukeln und der bekannten auf und ab Bewegung noch eine Weile zu schlafen.